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Dakar 2027 verlässt Saudi-Arabien: Marokko wird gehandelt, offiziell ist nur der Abschied

Serie: Dakar 2027

Die 49. Rallye Dakar wird nicht in Saudi-Arabien ausgetragen. Das haben die Amaury Sport Organisation (A.S.O.) und die Saudi Motorsport Company (SMC) am Sonntag, 25. Oktober 2026, in einer gemeinsamen Erklärung mitgeteilt. Ursprünglich war die Rallye vom 1. bis 15. Januar 2027 im Königreich geplant. Wohin sie stattdessen zieht, hat der Veranstalter bis zum 27. Oktober 2026 nicht bekanntgegeben. Mehrere Medien nennen übereinstimmend Marokko mit einem Prolog in Spanien oder Portugal. Eine Bestätigung der A.S.O. für Land, Route und Termine liegt nicht vor.

Was offiziell feststeht

Begründet wird die Absage in Saudi-Arabien in der Erklärung mit den jüngsten Entwicklungen in der Region. Die A.S.O. bezeichnet die Entscheidung als „außergewöhnlich und einmalig“ (übersetzt aus dem Englischen). Getroffen wurde sie nach Angaben des Veranstalters in enger Abstimmung mit dem saudischen Automobil- und Motorradverband SAMF sowie mit Unterstützung von FIA und FIM.

Abgesagt ist die Dakar 2027 nicht. Laut Rallye-Magazin und Speedweek will die A.S.O. die Veranstaltung in einem anderen Land selbst organisieren und den neuen Austragungsort in den kommenden Tagen bekanntgeben. Mit Teilnehmern, Teams und Partnern stehe sie bereits in direktem Kontakt. Fest vereinbart ist die Rückkehr: Saudi-Arabien soll 2028 die 50. Ausgabe ausrichten.

KTM-Rallyefahrer mit Startnummer 73 auf dem Kamm einer Sanddüne
KTM-Werksfahrer mit Startnummer 73, laut Dateiname Edgar Canet bei der Rallye du Maroc 2026 (Etappe 3). Keine Aufnahme der Dakar 2027. Foto: Hero, Edo Bauer, Honda (Sammelnachweis, Einzelzuordnung nicht angegeben), via nl.motocrossmag.be

Marokko, Fähre, neuer Termin: Was berichtet wird

Die Marokko-Variante kursiert seit dem 20. Oktober 2026. RMC Sport griff damals einen Bericht der spanischen Zeitung Marca auf: Prolog am 9. Januar in Spanien oder Portugal, danach rund zwölf Wettbewerbstage in Marokko bis zum 22. Januar. Ein französischer Fahrer sagte RMC Sport, die A.S.O. habe die Teammanager telefonisch informiert, er selbst aber nicht direkt. Das belgische Motocross Mag schrieb am 21. Oktober unter Berufung auf mehrere Quellen, die A.S.O. habe Teams und Fahrer über einen Prolog in Spanien oder Portugal mit anschließender Fährüberfahrt nach Marokko unterrichtet. motor.nl berichtet dasselbe und beruft sich ebenfalls auf ungenannte Quellen.

Auch nach der offiziellen Erklärung bleibt Marokko eine Medieninformation. Rallye-Magazin beruft sich auf die Nachrichtenagentur Reuters, nach der die Rallye in Spanien oder Portugal beginnen und per Fähre nach Marokko übersetzen könnte. Die brasilianische Rallye Sertões nennt Marokko das wahrscheinliche Ziel und hält fest, dass die offizielle Ankündigung noch aussteht. Sie stützt sich auf europäische Presseberichte und Aussagen von Teilnehmern.

Als Zeitraum nennen alle genannten Berichte den 9. bis 22. Januar 2027, also Samstag bis Freitag. Die A.S.O. hat das nicht bestätigt.

Widersprüchliche Angaben zu Format und Distanz

Beim Umfang gehen die Berichte auseinander:

  • Motocross Mag und motor.nl: Prolog, zwölf Etappen, ein Ruhetag und eine Marathonetappe, zusammen rund 4.900 Kilometer. Ob damit die Gesamtdistanz oder nur die gezeiteten Kilometer gemeint sind, geht aus den Berichten nicht hervor.
  • RMC Sport (nach Marca): 13 Tage und rund 4.300 Kilometer, ohne Marathonetappe.
  • Sertões: Prolog, zwölf Etappen und rund 4.000 Kilometer Wertungsprüfungen.

Bei einer Marathonetappe übernachten die Fahrer ohne Unterstützung ihrer Serviceteams. Zum Vergleich: Für die Ausgabe in Saudi-Arabien hatte die A.S.O. im Mai laut Motocross Mag und motor.nl eine Route mit 5.320 gezeiteten Kilometern und Start und Ziel in King Abdullah Economic City vorgestellt.

Rallyefahrer auf einem Hero-Motorrad mit Startnummer 11 zieht eine Staubfahne vor einem Felsberg
Fahrer des Hero-Teams mit Startnummer 11 auf einer Schotterpiste. Archivaufnahme, Aufnahmeort und -datum nicht genannt. Foto: Hero, Edo Bauer, Honda (Sammelnachweis, Einzelzuordnung nicht angegeben), via nl.motocrossmag.be

Name, Nennschluss und Abnahme

Die Rallye soll den Namen „Dakar“ trotz der Verträge mit Saudi-Arabien weiter tragen dürfen. RMC Sport berichtet von einer Zustimmung der saudischen Behörden, obwohl der 2019 unterzeichnete Vertrag eine entsprechende Klausel enthalte. Ob die Fahrzeugabnahme wie geplant in Santa Susanna und Barcelona stattfindet, wird laut Motocross Mag und motor.nl neu geprüft. Dieselben Änderungen sollen für die Dakar Classic gelten. Den Nennschluss geben beide niederländischsprachigen Medien mit dem 16. November 2026 an. Auch dazu fehlt bislang eine offizielle Mitteilung des Veranstalters.

Die offizielle Streckenpräsentation hatte Motocross Mag für den 26. oder 27. Oktober erwartet. Auf der Nachrichtenseite der Dakar war bei Redaktionsschluss am 27. Oktober 2026 keine Bekanntgabe zum neuen Austragungsland zu finden.

Hintergrund: Sicherheitslage und Rückkehr nach Afrika?

Laut Speedweek haben die Verantwortlichen die Lage wegen der Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien als zu unsicher bewertet. RMC Sport nennt als Auslöser einen Angriff auf ein Passagierterminal des Flughafens in Riad am 10. Oktober 2026, der jemenitischen Huthi-Rebellen zugeschrieben wird. Sertões verweist zudem darauf, dass ein großer Teil der geplanten Route nahe der Grenze zum Jemen verlaufen wäre. Die Rallye ist nicht die einzige betroffene Veranstaltung. Laut Rallye-Magazin wurde im September der für November geplante WM-Lauf in Saudi-Arabien gestrichen, am 19. Oktober folgte die Absage des saudischen Laufs der FIA Middle East Rally Championship.

Sollte die Marokko-Variante kommen, führe die Dakar erstmals seit 2007 wieder über afrikanischen Boden. Die Ausgabe 2008 war aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. Von 2009 bis 2019 fand die Rallye in Südamerika statt, seit 2020 ausschließlich in Saudi-Arabien.

Für Privatfahrer wäre eine Entscheidung zum Austragungsland vor allem eine Frage der Planung. Motocross Mag und motor.nl schreiben, dass technische Vorbereitung, Sponsorensuche und Training ohne feststehendes Land besonders schwierig gewesen seien.

Quellen- und Bildnachweise

Published inAllgemeinNewsRally