Last updated on 4. August 2026
Die Bosnia Rally 2026 wurde vom 12. bis 18. Juli 2026 mit Basislager in Kupres ausgetragen. Trotz ihres Namens war sie ausdrücklich kein Rennen, sondern ein fünftägiges Roadbook- und Offroad-Training unter möglichst realistischen Rallyebedingungen. Es gab technische Abnahme, tägliche Fahrerbriefings, GPS-Tracking, Checkpoints, medizinische Betreuung und ein Fahrerlager – aber keine Zeitnahme, keine Rangliste und keinen Gesamtsieger.
Nach Veranstalterangaben umfasste das Programm fünf Etappen mit insgesamt ungefähr 1.300 bis 1.400 Kilometern.
Landschaft rund um Kupres

Kupres liegt auf einer weiten Hochebene in ungefähr 1.300 Metern Höhe, umgeben von Bergen und ausgedehnten Wäldern. Die Landschaft verbindet offene Hochflächen mit dichter bewaldeten Gebieten und einem großen Netz aus Schotter-, Forst- und Feldwegen. Der Veranstalter beschreibt die Region als Gebiet mit trockener Steppe, feuchtemWaldboden und Pisten in praktisch alle Himmelsrichtungen.
Gerade diese Wechsel machen das Gebiet für Rallytraining interessant:
- offene, schnelle Schotterpisten auf dem Plateau,
- enge Waldwege mit eingeschränkter Sicht,
- steinige und ausgewaschene Abschnitte,
- schlammige Passagen nach Regen,
- Wasserdurchfahrten und einzelne Singletrails.
Etwa 75 Prozent der Strecke bestanden laut Veranstalter aus Schotterpisten und unbefestigten Wegen; die FAQ spricht insgesamt sogar von rund 85 Prozent Offroad-Anteil.
Auch die Tierwelt gehört zum besonderen Charakter der Region. Der Veranstalter weist darauf hin, dass Fahrer dort unter anderem auf Schaf- und Rinderherden, Wildpferde und möglicherweise sogar Bären treffen können. Das ist weniger als touristische Ausschmückung zu verstehen als als Hinweis darauf, dass die Strecken durch weitgehend offene Natur- und Weidegebiete führen.
Strecke und Schwierigkeitsgrad
Die Bosnia Rally richtete sich ausdrücklich nicht an Offroad-Anfänger. Teilnahmevoraussetzung waren Erfahrung auf Schotter und losem Untergrund sowie ein
straßenzugelassenes, technisch geeignetes Enduromotorrad. Normale Straßenreifen waren nicht zugelassen beziehungsweise praktisch ungeeignet; empfohlen wurden robuste Reifen für harten Schotter.
Der Schwierigkeitsgrad lässt sich sinnvoll in drei Bereiche aufteilen.

- Fahrtechnisch: anspruchsvoll
Steine, Schlamm, Wasserdurchfahrten und schmale Wege verlangen saubereEndurotechnik. Besonders mit einem schwerenAdventure-Bike können langsame, steile oder ausgewaschene Abschnitte sehr anstrengend werden. Die Herausforderung liegt nicht in einem einzelnen extremen Hindernis wie beimHard Enduro, sondern in der dauerhaften Kombination aus losem Boden, Länge und wechselnden Verhältnissen. - Konditionell: hochFünf Fahrtage und rund 1.300 Kilometer bedeuten mehrere lange Tage auf dem Motorrad. Auch ohne Zeitdruck müssen die Teilnehmer dauerhaft konzentriert bleiben, das Motorrad im Gelände kontrollieren und gleichzeitig navigieren. Der entspannte Trainingscharakter verhindert zwar Renndruck, macht die Strecken selbst aber nicht leicht.
- Navigation: zentraler Schwerpunkt
Der eigentliche Sinn der Veranstaltung war das Training mit Papier-Roadbook, elektronischem Roadbook oder GPS. Dabei mussten die Fahrer Abzweigungen, Entfernungen, Gefahrenhinweise und Streckenmerkmale selbstständig interpretieren. Für elektronische Roadbooks unterstützte die Organisation die Terrapirata-App; GPS-Fahrer erhielten die GPX-Daten vor der Veranstaltung.
Ein Navigationsfehler bedeutete hier k
eine Zeitstrafe, konnte aber trotzdem zu zusätzlichen Kilometern, Kraftstoffproblemen oder einem sehr langen Tag führen.
Obwohl keine Wertung stattfand, orientierte sich der Ablauf an einer klassischen Rally-Raid-Veranstaltung:
- Anreise, Akkreditierung und technische Kontrolle
- Installation und Einweisung derNavigationsausrüstung
- tägliche Ausgabe beziehungsweise Freischaltung des Roadbooks
- Start der Fahrer in zeitlichen Abständen
- Checkpoints, Servicepunkte und Pausenstopps auf der Strecke
- GPS-Tracking durch die Organisation
- tägliches Fahrerbriefing für die nächste Etappe.
Die fünf Hauptetappen wurden vom 13. bis 17. Juli gefahren. Am Abend des letzten Fahrtages war eine gemeinsame Finish-Party vorgesehen.
Klassen und Kategorien
Bei der Bosnia Rally gab es keine Klassen im Sinne einer Motorsportmeisterschaft, weil keine Zeiten genommen und keine Platzierungen vergeben wurden. Begriffe wie M1, M2 oder FIM5, wie bei der RO Rally, spielten deshalb hier keine Rolle.

Stattdessen unterschied die Veranstaltung vor allem nach Navigationsart und Motorradtyp.
- Roadbook-Fahrer
Diese Teilnehmer navigierten mit klassischer Papierrolle oder elektronischem Roadbook. Das entspricht am ehesten dem Ablauf einer echten Rally Raid und war der Schwerpunkt der Veranstaltung. - GPS-Fahrer
Alternativ durfte mit einem trackfähigen GPS-Gerät oder einer geeigneten App gefahren werden. Diese Kategorie war leichter zugänglich, weil der Fahrer einer vorgegebenen Linie folgen konnte, statt jede Roadbook-Notiz interpretieren zu müssen. - Sportenduros und leichte Rallymotorräder
Leichtere Enduros haben auf technischen Wald- und Steinstrecken Vorteile. Sie lassen sich leichter auffangen, anheben und durch enge Passagen bewegen. Teilnehmen durfte grundsätzlich jede geeignete Enduro, sofern sie straßenzugelassen war und die vorgeschriebene Reichweite erreichte. - Adventure-Motorräder
Für größere Motorräder ab ungefähr 160 Kilogramm wurde eine besondere ADV-Route vorbereitet. Diese umging ausgewählte selektive oder für schwere Motorräder problematische Abschnitte. Die Fahrer konnten bei Bedarf auf diesen Track wechseln. Das machte die Veranstaltung auch für große Reiseenduros zugänglich, ohne den fahrtechnischen Anspruch vollständig zu entfernen. - Extra Class

Am 11. Juli fand eine zusätzliche Einsteigerklasse für Roadbook-Neulinge statt. Behandelt wurden das Markieren und Einspannen des Roadbooks, die Kalibrierung des Kilometerzählers, die Bedienung der Navigation sowie der Startablauf. Anschließend folgte ein Übungsprolog von ungefähr 70 Kilometern.
Wichtig ist die Unterscheidung: Die Extra Class war für Navigationsanfänger gedacht. Die eigentliche fünftägige Bosnia Rally blieb dennoch eine Veranstaltung für Fahrer mit vorhandener Offroad-Erfahrung.
Motorräder und technische Anforderungen

Das Motorrad musste straßenzugelassen und in gutem Zustand sein. Vorgeschrieben war eine Reichweite von mindestens 150 Kilometern. Für kleinere Tanks konnten teilweise externe Tankstopps organisiert werden; Kraftstoffflaschen am Körper waren aus Sicherheitsgründen verboten.
Bei den Reifen empfahl die Organisation harte Schotterbereifung. Für leichtere Motorräder gilt im Rallysport Mousse häufig als bevorzugte Lösung gegen Plattfüße. Fahrer großer Adventure-Bikes mit Schläuchen sollten in der Lage sein, unterwegs selbst eine Reifenpanne zu reparieren.
Diese Anforderungen zeigen gut, worum es bei der Veranstaltung ging: nicht um maximale Motorleistung, sondern um Zuverlässigkeit, Reichweite, Navigation und die Fähigkeit, Probleme unterwegs selbst zu lösen.
Stories
- Nach lokalen Medienberichten kamen 2026 – 453 Fahrer aus 16 Ländern nach Kupres. Die Hochebene und der Stadtpark wurden vor dem Start zum Treffpunkt einer großen internationalen Motorradgemeinschaft. Die örtliche Berichterstattung sprach von Hunderten Motorradfahrern, die das sonst eher ruhige Kupres für eine Woche zumRallyzentrum machten.
- Teilnehmer
Die Veranstaltung war damit nahezu exakt zur Hälfte zwischen GPS- und Roadbook-Navigation aufgeteilt. Auffällig ist allerdings, dass in der GPS-Gruppe wesentlich mehr schwere Adventure-Motorräder vertreten waren: Dort standen 94 ADV- gegenüber 135 MOTO-Nennungen. In der Roadbook-Gruppe dominierten dagegen mit 170 von 224 Nennungen deutlich die leichteren MOTO-Maschinen. - Training statt Ellenbogenrennen
Die wahrscheinlich interessanteste Besonderheit ist, dass die Bosnia Rally bewusst auf eine Zeitnahme verzichtet. Bei vielen Rallyveranstaltungen fahren Teilnehmer trotz Amateurstatus gegeneinander und riskieren dadurch Fehler oder Stürze. In Kupres sollte dagegen das saubere Ankommen, Navigieren und Lernen im Mittelpunkt stehen. Dadurch konnten sich Fahrer an Checkpoints oder Pausenstopps wieder treffen, Erfahrungen austauschen und bei Problemen helfen, ohne ihre eigene Platzierung zu gefährden. Die familiäre Atmosphäre ist kein Begleitprogramm,sondern Teil des eigentlichen Veranstaltungskonzepts. - Leichte Enduros und große Reiseenduros auf derselben Veranstaltung
Die Mischung aus schlanken Sportenduros und schweren Adventure-Motorrädern sorgt naturgemäß für sehr unterschiedliche Erlebnisse. Wo ein leichter Einzylinder problemlos durch einen ausgewaschenen Waldweg kommt, kann eine große Zweizylinder-Reiseenduro viel Kraft und Teamarbeit verlangen. Die ADV-Umfahrungen waren daher keine reine „leichte Klasse“, sondern ein Sicherheits- und Zugänglichkeitskonzept. Ein großer Teil der normalen Route blieb auch für ADV-Fahrer anspruchsvoll. - Der 70-Kilometer-Prolog für Neueinsteiger
Ungewöhnlich ist auch, dass der Prolog nicht zur Bestimmung einer Startreihenfolge diente. Er war ausschließlich Teil der Extra Class und als praktische Prüfung nach dem Roadbook-Unterricht gedacht. Die Teilnehmer konnten Fehler unter Beobachtung machen, bevor am nächsten Tag die eigentliche Veranstaltung begann.
Fazit
Die Bosnia Rally 2026 war keine Rally im klassischen Wettbewerbsverständnis, sondern ein realitätsnahes Roadbook-Trainingscamp. Sie verband fünf lange Offroad-Etappen mit der Landschaft der Kupres-Hochebene: offene Hochflächen, schnelle Schotterwege, dichte Wälder, Steine, Schlamm, Wasser und enge Trails.
Der Anspruch war hoch genug, dass Offroad-Erfahrung ausdrücklich vorausgesetzt wurde. Gleichzeitig nahm der Verzicht auf Zeitnahme viel Druck aus der Veranstaltung. Dadurch eignete sie sich besonders für Fahrer, die Rally-Navigation, lange Fahrtage und den Umgang mit ihrem Motorrad trainieren wollten, ohne sofort an einem echten Wertungslauf teilzunehmen.
Die prägendste Geschichte war deshalb nicht ein Sieger, sondern das Konzept selbst: Fahrer aus mehr als 14 Ländern, vom leichten Rallybike bis zur schweren Adventure-Enduro, gemeinsam auf anspruchsvollen bosnischen Pisten – mit Schwerpunkt auf Navigation, Ausdauer und Ankommen statt auf Sekunden und Pokalen.

