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RO Rally Marathon 2026

Die RO Rally Marathon wurde vom 10. bis 18. Juli 2026 rund um Râmnicu Sărat im Osten Rumäniens ausgetragen. Sie war der dritte Lauf des FIM Europe Tout Terrain Rally Cup und 2026 erstmals Teil dieses europäischen Cups. Das Konzept orientiert sich an klassischen Rally-Raids: lange Tagesetappen, Navigation nach Roadbook, hohe Geschwindigkeiten und eine zweitägige Marathonphase mit mobilem Biwak. Der Veranstalter nennt mehr als 2.300 Kilometer Gesamtdistanz sowie Tagesstrecken von ungefähr 200 bis 500 Kilometern.

Landschaft und Streckencharakter

Die Rally führte durch eine abwechslungsreiche osteuropäische Landschaft:

  • offene Ebenen und landwirtschaftlich geprägtes Gelände,
  • wellige Hügelzüge,
  • lange Waldpassagen,
  • schnelle Schotterstraßen,
  • sandige Böden und wechselnde Untergründe.

FIM Europe beschreibt sieben anspruchsvolle Etappen mit Wäldern, schnellen Gravel-Pisten, sanften Hügeln und technisch schwieriger Navigation. Der Veranstalter betont zusätzlich die Vielfalt aus Ebenen, Hügeln, Wald und Sand.

Das war also keine extrem felsige Hard-Enduro-Rally und auch keine reine Wüstenveranstaltung. Die Schwierigkeit entstand vielmehr durch den ständigen Wechsel zwischen schnellen, flüssigen Passagen und engen oder unübersichtlichen Abschnitten, auf denen gleichzeitig navigiert werden musste.

Schwierigkeitsgrad

Insgesamt war die RO Rally anspruchsvoll bis sehr anspruchsvoll.

Die Schlusswertung zeigt, wie selektiv die Veranstaltung war: 55 Fahrer wurden mit einer Gesamtzeit klassifiziert, während weitere Teilnehmer mit „AB“ als ausgeschieden geführt wurden. Mehrere Fahrer erhielten zudem extrem hohe Etappenzeiten, die wahrscheinlich aus Pauschalzeiten, ausgelassenen Prüfungen oder Strafen resultierten. Das PDF nennt jedoch nicht die jeweilige Ursache.

Verlauf

Thomas Marini gewinnt – Thomas Marini aus San Marino gewann die Rally auf einer Aprilia Tuareg in 18:07:18 Stunden. Er führte vom ersten Tag an und erreichte bei jeder Wertungsprüfung eine Podiumsposition. Nach Angaben von Aprilia holte er vier Gesamtsiege auf einzelnen Etappen und fünf Klassensiege. Mit diesem Erfolg übernahm er auch die Führung im Tout Terrain Rally Cup.

Das offizielle Gesamtpodium laut Timing-PDF:

  1. Thomas Marini, Aprilia – 18:07:18
  2. Maikol Reboldi, Triumph – 19:29:59
  3. Yuri Di Pauli, KTM – 20:32:57.

Der FIM-Europe-Bericht nennt dagegen Alexandru Daniel Goran als Dritten. Das widerspricht dem offiziellen Schlussklassement, in dem Goran Vierter ist. Wahrscheinlich bezieht sich der Bericht auf eine andere Teilwertung oder einen früheren Ergebnisstand; eindeutig aufgeklärt wird der Unterschied dort nicht.

Maikol Reboldis Aufholjagd – Reboldi gewann die sechste Wertungsprüfung und schob sich mit einer starken Schlussphase auf Rang zwei. Seine Triumph war damit das bestplatzierte Motorrad hinter der siegreichen Aprilia.

Der Unfall von Jacopo Cerutti – Die dramatischste Geschichte der Rally war der schwere Unfall von Jacopo Cerutti. Während der sechsten Fahrtage kollidierte er in einer Wertungsprüfung mit einem entgegenkommenden Auto. Laut Aprilia war Cerutti nicht für den Zusammenstoß verantwortlich. Er erlitt komplizierte Brüche von Schien- und Wadenbein am rechten Bein sowie einen Bruch der linken Kniescheibe. Die anschließende Operation in Bukarest verlief erfolgreich; Aprilia ordnete zunächst fünf Wochen absolute Ruhe an.
Sein Ausfall ist in der Ergebnisliste sichtbar: Nach sechs starken Prüfungen wird er auf SS7 mit „AB“ geführt.  Der Vorfall wirft eine ernsthafte Sicherheitsfrage auf: Wie gelangte ein entgegenkommendes Auto auf beziehungsweise in eine Wertungsprüfung? Öffentlich bestätigt sind die Kollision und die fehlende Schuld Ceruttis. Nicht öffentlich geklärt sind bislang die genaue Zufahrt des Autos, mögliche organisatorische Fehler und etwaige rechtliche Konsequenzen. Aussagen über ein bewusstes Eindringen oder konkrete Verantwortliche wären daher Spekulation.

Die deutschen Teilnehmer

Drei deutsche Fahrer standen in der offiziellen Gesamtwertung. Alle starteten mit DMSB-Lizenz in der Klasse M2.

Jan Hendrik Erbach, KTM (95) – Überraschung auf Platz sechs
Erbach war der stärkste Deutsche und einer der auffälligsten Privatfahrer der Rally. Er kam nur gut 25 Minuten hinter M2-Sieger Yuri Di Pauli ins Ziel und ließ zahlreiche nominelle FIM-Cup-Fahrer hinter sich. Besonders stark war seine dritte Wertungsprüfung: Mit 4:25:03 Stunden war er dort schneller als mehrere Fahrer, die im Gesamtklassement vor ihm lagen. Seine gesamte Rally war bemerkenswert gleichmäßig; keine seiner sieben Zeiten zeigt eine große Pauschalstrafe oder einen massiven Einbruch.

Claudius Flogaus, Beta (2) – starke Erholung nach SS1
Flogaus verlor auf SS1 mit 8:06:37 Stunden viel Zeit. Danach fuhr er deutlich konkurrenzfähiger und stabiler. Auf SS3 benötigte er beispielsweise nur 5:00:54, auf SS5 2:35:11 und auf SS7 41:28 Minuten. Das lässt auf Schwierigkeiten am ersten Tag und eine gelungene Erholung schließen. Ob der Zeitverlust durch Navigation, einen Defekt, einen Sturz oder eine Strafe entstand, ist im offiziellen Ergebnis nicht dokumentiert.

Tim Duerr, KTM (112) – enorme Straf- oder Pauschalzeit
Duerrs Gesamtwertung wurde praktisch durch seine SS1-Zeit von 46:11:01 Stunden entschieden. Seine späteren Leistungen waren dagegen erheblich besser: 3:24:31 auf SS4, 2:15:46 auf SS6 und 39:09 auf SS7.  Eine tatsächlich gefahrene erste Prüfung von mehr als 46 Stunden ist kaum plausibel. Am wahrscheinlichsten ist deshalb eine Pauschalzeit oder massive Zeitstrafe nach einer nicht regulär beendeten Prüfung. Das ist allerdings nur eine Schlussfolgerung aus den Daten; das Ergebnisblatt nennt keinen Grund.

Stories

  • Marinis Sieg ist technisch interessant, weil die Aprilia Tuareg ein relativ großes und schweres Zweizylinder-Motorrad ist. Auf engen und technischen Wegen gelten leichtere Einzylinder oft als handlicher. Die Tuareg konnte ihren Leistungs- und Stabilitätsvorteil auf den schnellen rumänischen Pisten offenbar besonders gut ausspielen. Aprilia bezeichnete den Erfolg als Beleg für die Konkurrenzfähigkeit und Zuverlässigkeit des Motorrads unter extremen Bedingungen.
  • Marinis Entwicklung vom Helfer zum Sieger
    Vor der Rally galt Cerutti als Aprilias prominentester Fahrer, nachdem er die vorangegangenen Cup-Läufe in Galicien und Griechenland gewonnen hatte. In Rumänien trat jedoch Marini aus seinem Schatten, übernahm sofort die Führung und hielt dem Druck über die ganze Woche stand.
  • Classic-Fahrer auf Honda
    In der Classic-Wertung kamen Dario Amorosa und Aneta Francu ins Ziel. Ihre Gesamtzeiten von über 93 beziehungsweise 100 Stunden zeigen, wie groß der Unterschied zwischen einem regulären, konkurrenzfähigen Lauf und einem von Problemen oder Pauschalzeiten geprägten Ergebnis sein kann.
  • Das Auto auf Ceruttis Strecke
    Bestätigt ist, dass ein entgegenkommendes Auto beteiligt war und Cerutti laut Aprilia keine Schuld trug. Unbestätigt ist, ob das Fahrzeug eine Absperrung umfuhr, versehentlich auf die Route gelangte oder ob die Prüfung nicht vollständig für den Verkehr gesperrt war.
  • Die abweichende Podiumsangabe
    FIM Europe nennt Goran auf Platz drei, das offizielle Timing führt Di Pauli. Denkbar sind eine nachträgliche Korrektur, verschiedene Cup- und Veranstaltungswertungen oder ein redaktioneller Fehler. Ohne ein offizielles Bulletin sollte man keine dieser Erklärungen als Tatsache darstellen.
  • Die hohen Zeiten mehrerer Fahrer
    Bei Tim Duerr und anderen Teilnehmern deuten extreme Einzelzeiten stark auf Pauschalzeiten oder Strafen hin. Welche Vorfälle dahinterstehen, lässt sich aus dem offiziellen Dokument nicht rekonstruieren.

Fazit

Die RO Rally Marathon 2026 war eine schnelle, lange und stark navigationsgeprägte Rally-Raid durch die abwechslungsreichen Landschaften Ost-Rumäniens. Ihre Härte lag weniger in extremen Einzelhindernissen als in der Kombination aus langen Distanzen, Hitze, hohem Tempo, wechselnden Böden, Roadbook-Navigation und Materialbelastung.
Sportlich prägten Thomas Marinis souveräner Sieg, Maikol Reboldis Schlussangriff und der schwere Unfall von Jacopo Cerutti die Veranstaltung. Aus deutscher Sicht war Jan Hendrik Erbachs sechster Gesamtrang und zweiter Platz in M2 das herausragende Ergebnis. Claudius Flogaus beendete die Rally nach einem schwierigen Auftakt solide auf Rang 20, während Tim Duerr trotz einer enormen Zeitbelastung auf SS1 weiterfuhr und das Ziel erreichte.

Published inAllgemein