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Dinaric Rally 2026: Zwischen Fels, Staub und echtem Rallye-Abenteuer

Die Dinaric Rally 2026 war eine Woche, in der Mensch und Maschine gleichermaßen gefordert wurden. Vom 22. bis 28. August verwandelte sich die Region rund um das kroatische Knin erneut in eine eindrucksvolle Rallye-Arena. Rund 160 Teilnehmer aus 23 Ländern stellten sich den anspruchsvollen Strecken der Dinarischen Alpen – auf Motorrädern, Quads und in SSVs.

Schon der Prolog zeigte, was die Fahrer erwarten würde: schnelle Schotterpassagen, anspruchsvolle Navigation, felsige Anstiege und ein Untergrund, der sich innerhalb weniger Kilometer vollkommen verändern konnte. Die Dinaric Rally ist kein Rennen, das allein über Höchstgeschwindigkeit entschieden wird. Entscheidend sind Konzentration, eine saubere Linie und die Fähigkeit, auch nach vielen Stunden im Sattel noch die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Eine Rallye mit vielen Gesichtern

Die längste Etappe führte über rund 425 Kilometer durch die Region Krbava. Später präsentierte sich die Wertungsprüfung rund um Kotari nach starken Regenfällen überraschend griffig, schnell und flüssig. Auf dem Velebit wartete dagegen eine deutlich technischere Strecke: Lose Steine, versteckte Felsbrocken und ein anspruchsvoller Anstieg verlangten den Fahrern alles ab.

Auch die zweite Wertungsprüfung musste nach einem Unfall abgesagt werden. Die sportliche Geschichte der Dinaric Rally 2026 wurde anschließend mit großem gegenseitigem Respekt und voller Konzentration auf die verbleibenden Etappen fortgeschrieben.

Von den Romaniacs in die Dinarischen Alpen

Für Maxi Schek und Manolito „Mano“ Welink war die extreme Welt internationaler Offroad Rennen keineswegs Neuland. Beide nahmen 2026 an den Red Bull Romaniacs in Rumänien teil, bevor sie wenige Wochen später bei der Dinaric Rally an den Start gingen.

In den Karpaten erwarteten sie steile Waldauffahrten, Wurzeln, Felsen, Schlamm und technisch schwierige Abfahrten. Die Red Bull Romaniacs gehören zu den anspruchsvollsten Offroad-Veranstaltungen der Welt und verlangen den Teilnehmern über mehrere Renntage körperlich wie mental alles ab.

Maxi Schek trat bei den Romaniacs mit einer BMW R 12 G/S in der Adventure-Core-Klasse an. Mit dem schweren Zweizylinder bewegte er sich durch ein Gelände, in dem selbst deutlich leichtere Sportenduros an ihre Grenzen kommen. Maxi beendete die Veranstaltung auf einem starken vierten Platz in seiner Klasse.

Auch Mano stellte sich 2026 den extremen Herausforderungen der Red Bull Romaniacs. Die dort gesammelten Erfahrungen mit schwierigem Gelände, langenRenntagen und hoher körperlicher Belastung bildeten eine wertvolle Grundlage für den anschließenden Start bei der Dinaric Rally.

Zwar unterscheiden sich Hard Enduro und Rallye Raid deutlich voneinander, doch beide Disziplinen verlangen Ausdauer, präzise Fahrzeugbeherrschung und die Fähigkeit, auch unter großer Belastung ruhig zu bleiben. Während bei den Romaniacs extreme technische Passagen im Mittelpunkt stehen, kommen bei der Dinaric Rally lange Distanzen, höheres Tempo und die Navigation nach Roadbook hinzu.

Maxi Schek fährt mit der BMW F 900 GS zum Gesamtsieg

Aus deutscher Sicht ragte bei der Dinaric Rally vor allem Maxi Schek heraus. Mit der Startnummer 69 und seiner BMW F 900 GS setzte er sich an die Spitze eines international besetzten Feldes. Dabei überzeugte er nicht nur mit Geschwindigkeit, sondern insbesondere mit Konstanz und einer bemerkenswert kontrollierten Fahrweise.

Die BMW F 900 GS stellte Maxi vor eine besondere Herausforderung. Im Vergleich zu den leichteren Rallyemotorrädern musste er das höhere Gewicht seiner Zweizylinder-Maschine über Schotter, Steine und technisch schwierige Passagen bewegen. Gleichzeitig konnte er die Stärken der BMW auf den schnellen und flüssigen Abschnitten wirkungsvoll nutzen.

Vor der letzten Etappe lagen die Spitzenfahrer eng beieinander. Auf den abschließenden 250 Kilometern musste Maxi deshalb noch einmal konzentriert arbeiten. Die Bedingungen waren heiß, staubig und stellenweise sehr lose. Ein kleiner Navigationsfehler oder eine ungünstige Linienwahl hätte das Ergebnis jederzeit verändern können.

Doch Maxi hielt dem Druck stand. Nach fünf Renntagen gewann er die Dinaric Rally 2026 mit einer Gesamtzeit von 23:10:50,250 Stunden. Sein Vorsprung auf den zweitplatzierten Piotr Michalak betrug lediglich 4:47 Minuten. Ciaran Cottle komplettierte das Gesamtpodium.

Der Gesamtsieg war zugleich ein starkes Ausrufezeichen für das BMW-F-900-GS-Rallyeprojekt. Mit der vergleichsweise schweren Zweizylinder-Maschine gegen die leichteren Rallyemotorräder zu gewinnen, unterstreicht Maxis außergewöhnliche fahrerische Leistung und die Qualität der technischen Vorbereitung.

Daniel Wagenpfeil: Rallye-Debüt mit großer Perspektive

Für Daniel Wagenpfeil war die Dinaric Rally 2026 eine Premiere: Es war seine erste Rallye. Der deutsche Fahrer ging auf einer KTM in der Klasse M3 für Wiedemann Motorsports an den Start. Damit betrat er sportliches Neuland, brachte jedoch bereits umfangreiche Erfahrung aus einer anderen besonders anspruchsvollen Offroad-Disziplin mit.

Daniel kommt aus dem Motocross- und Sandrennsport.Als einziger deutscher Fahrer bestritt er die FIM Sand Races World Championship und trat dabei gegen einige der besten Sandspezialisten der Welt an. Die Rennen führen über tiefe Sandstrecken und Strände, auf denen hohe Geschwindigkeiten, extreme körperliche Belastungen und sich ständig verändernde Spuren zusammenkommen.

In der Saison 2025 absolvierte Daniel die komplette Sand-Weltmeisterschaft. Mit Starts unter anderem in Frankreich, Argentinien, Italien und Portugal sammelte er internationale Erfahrung und beendete die WM auf dem 15. Gesamtrang. Bereits 2024 hatte er mit mehreren starken Resultaten WM-Punkte eingefahren.

Der Wechsel zur Rallye verlangte ihm dennoch vieles neu ab. Anders als im Motocross oder bei den Sandrennen geht es bei einer Rallye nicht nur um Geschwindigkeit und Kondition. Die Navigation nach Roadbook, das richtige Einteilen der Kräfte und die Verantwortung für das Motorrad über mehrere lange Tage spielen eine ebenso wichtige Rolle.

Bei seiner ersten Rallye konnte Daniel genau diese Abläufe kennenlernen. Jede Etappe brachte neue Erfahrungen: vom Lesen des Roadbooks über das Treffen schneller Navigationsentscheidungen bis zum Umgang mit langen Verbindungsetappen und dem täglichen Leben im Biwak.

Die Dinaric Rally soll dabei nicht das Ende, sondern der Beginn eines langfristigen Projekts sein. Gemeinsam mit dem erfahrenen Dakar-Fahrer Mike Wiedemann und Wiedemann Motorsports richtet Daniel den Blick bereits auf ein großes Ziel: eine mögliche Teilnahme an der Rallye Dakar 2028.

Bis dahin liegt noch ein anspruchsvoller Weg vor ihm. Weitere Rallyes, Navigationstraining, internationale Rennerfahrung und die notwendige sportliche Qualifikation gehören ebenso dazu wie die technische und finanzielle Vorbereitung. Mit seiner Erfahrung aus der Sand-Weltmeisterschaft, seinem Durchhaltevermögen und der Unterstützung durch Mike Wiedemann besitzt Daniel jedoch eine starke Grundlage für dieses Vorhaben.

Mano Welink und Reini Reinfelder mittendrin

Doch eine Rallye wird nicht nur durch den Gesamtsieger geprägt. Auch Manolito „Mano“ Welink und Reini Reinfelder gehörten zu den bekannten deutschen Gesichtern dieser Rallyewoche. Sie standen für genau jene Mischung aus Einsatzbereitschaft, Begeisterung und Zusammenhalt, die im Fahrerlager von Knin überall zu spüren war.

Gerade bei einer mehrtägigen Rallye zählt weit mehr als die reine Fahrzeit. Motorräder müssen täglich kontrolliert, Roadbooks vorbereitet und körperliche Reserven sorgfältig eingeteilt werden. Dazu kommen frühe Starts, lange Verbindungsetappen und die mentale Belastung einer Navigation, die keine Unaufmerksamkeit verzeiht.

Für Mano folgte die Dinaric Rally nur wenige Wochen nach seiner Teilnahme an den Red Bull Romaniacs. Der Wechsel vom technisch geprägten Hard Enduro zum schnellen und navigationsintensiven Rallye Raid zeigte seine Vielseitigkeit als Offroad-Fahrer.

Auch Reini Reinfelder stellte sich den langen Tagen und dem wechselhaften Gelände der Dinarischen Alpen. Gemeinsam mit Daniel Wagenpfeil machten die Fahrer sichtbar, worum es in diesem Sport ebenfalls geht: Herausforderungen anzunehmen, Erfahrungen zu sammeln und selbst nach einem schwierigen Tag wieder bereit am Start zu stehen.

Wiedemann Motorsports als gemeinsamer Anlaufpunkt

Mit Wiedemann Motorsports stand mehreren Fahrern ein Team zur Seite, das Erfahrung aus unterschiedlichen Bereichen des Offroad-Sports zusammenbrachte. Teamgründer Mike Wiedemann kennt die besonderen Anforderungen großer Rallyes aus eigener Erfahrung. Er hat die Rallye Dakar mehrfach bestritten und weiß, welche sportliche, technische und mentale Vorbereitung für ein solches Projekt notwendig ist.

Bei der Dinaric Rally gehörten neben Daniel Wagenpfeil auch Reini Reinfelder und Mano Welink zum Umfeld von Wiedemann Motorsports. Im Biwak bedeutete das nicht nur technischen Service, sondern auch Erfahrungsaustausch, Unterstützung und gegenseitige Motivation.

Gerade für einen Rallye-Neuling wie Daniel war dieses Umfeld besonders wertvoll. Die Dinaric Rally wurde damit zu einem ersten wichtigen Schritt auf einem Weg, der ihn gemeinsam mit Mike Wiedemann bis zur Dakar 2028 führen könnte.

Mehr als ein Rennen

Im Fahrerlager zeigte sich jeden Abend die besondere Seite des Rallye-Raid-Sports. Während an den Motorrädern geschraubt und der nächste Tag vorbereitet wurde, tauschten die Fahrer Erlebnisse, Linien und Navigationsfehler aus. Konkurrenten auf der Strecke wurden im Biwak zu Helfern, Ratgebern und Freunden.

Genau diese Verbindung aus sportlichem Wettbewerb und Gemeinschaft macht die Dinaric Rally besonders. Die Veranstaltung bietet keine künstlich geschaffene Kulisse. Die schroffen Berge, der Staub, die Hitze und die langen Tage sind real – ebenso wie die Erschöpfung und die Freude, wenn Fahrer und Motorrad am Abend wieder gemeinsam das Ziel erreichen.

Eine Rallye Raid wird deshalb nicht nur über die Ergebnisliste erzählt. Hinter jeder Zielankunft stehen unzählige Stunden der Vorbereitung, technische Arbeit, körperliches Training und der Wille, auch in schwierigen Momenten weiterzumachen.

Ein verdienter Abschluss in Knin

Mit der letzten Etappe endete eine intensive Woche in den Dinarischen Alpen. Für Maxi Schek wurde sie mit dem Gesamtsieg auf der BMW F 900 GS zu einem besonderen sportlichen Erfolg. Mano Welink und Reini Reinfelder stellten sich ebenfalls den anspruchsvollen Etappen, während Daniel Wagenpfeil bei seiner ersten Rallye wichtige Erfahrungen für seine sportliche Zukunft sammelte.

Die Dinaric Rally 2026 hat einmal mehr gezeigt, dass Rallye Raid weit mehr bedeutet als schnelle Motorräder und gestoppte Zeiten. Es geht um Orientierung, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, sich auf ein Abenteuer einzulassen, dessen Verlauf sich nie vollständig planen lässt.

Für Maxi endete die Woche mit dem Gesamtsieg. Für Daniel könnte sie rückblickend einmal als Beginn seines Weges zur Rallye Dakar gelten. Und für alle Beteiligten bleiben staubige Motorräder, müde Gesichter und Erinnerungen, die weit länger halten als jede Ergebnisliste.


Weiterführende Informationen

PS: Auch hier gibt es eine audiophile Ergänzungen im MakeItRally-Podcast. Hör doch mal rein.

Published inAllgemein