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Dakar 2027: ASO-Mail an die Fahrer lässt die Route offen

Serie: Dakar 2027

Die Amaury Sport Organisation (ASO) hat den Teilnehmern der Rallye Dakar 2027 am 14. Oktober 2026 eine Informationsnote per E-Mail geschickt. Darin geht es um die Lage in Saudi-Arabien. Eine Routenänderung, eine Verlegung nach Norden oder ein Ausweichen nach Marokko kündigt das Schreiben nicht an. Diese Szenarien stammen aus Medienberichten, die sich auf Quellen aus dem Fahrerlager berufen. Offiziell bleibt es beim Termin vom 1. bis 15. Januar 2027 mit Start und Ziel in der King Abdullah Economic City (KAEC) am Roten Meer.

Was in der Note steht

Das argentinische Portal Somos Dakar hat am 14. Oktober den vollständigen Text der Fassung veröffentlicht, die an die spanischsprachigen Teilnehmer ging. Unterzeichnet ist sie von Dakar-Direktor David Castera und Charles Cuypers, dem Verantwortlichen für die Teilnehmer. Übersetzt aus dem Spanischen lautet sie:

„Liebe Teilnehmer, wir teilen Ihnen mit, dass die Organisation die jüngsten Ereignisse in Saudi-Arabien gebührend berücksichtigt hat. Das Dakar-Team verfolgt die Entwicklung der Lage in Zusammenarbeit mit den saudischen Partnern genau, um für die Ausgabe 2027 über alle notwendigen Informationen zu verfügen. Wir halten Sie so bald wie möglich auf dem Laufenden.“

Eine Einschätzung, die geplante Strecke sei zu gefährlich, enthält der veröffentlichte Text nicht. Dass die Nähe der Angriffsziele zur Route eine Änderung erzwingen würde, schreibt Somos Dakar selbst. Auch die Idee einer deutlich nördlicheren Route gibt das Portal nur als etwas wieder, das „durchgesickert“ sei, und von einem Ersatztermin in Marokko spricht es als wachsender Spekulation.

Hintergrund: Angriffe nahe der geplanten Strecke

Auslöser ist der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und der vom Iran unterstützten Huthi-Bewegung im Jemen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am 8. Oktober berichtete (veröffentlicht bei The Straits Times), erklärten die Huthi in jener Woche, sie hätten in Saudi-Arabien unter anderem den King Khalid International Airport in Riad und eine Raffinerie von Aramco angegriffen. Die Raffinerie liegt laut Reuters rund 50 Kilometer von der KAEC entfernt. Die World Rally Championship hat ihr für November geplantes Saisonfinale in Saudi-Arabien aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Die ursprüngliche Route hatte die ASO am 5. Mai 2026 in Paris vorgestellt: eine Schleife ab und bis KAEC mit drei neuen Etappen in der Region am Roten Meer und 5.320 Kilometern Wertungsprüfung, laut Veranstalter so viel wie bei keiner Ausgabe seit dem Umzug nach Saudi-Arabien 2020. Nach einer Zusammenstellung von motorcycles.news vom 12. Oktober sollte sie unter anderem über Al-Ula, Ha’il, Al-Duwadimi, Bisha, Wadi Ad-Dawasir und Al Bahah führen. Einige der südlichen Etappen liegen demnach in derselben Region wie Ziele der Angriffe.

Ricky Brabec auf der Honda bei der zweiten Etappe der Rallye Dakar 2026 zwischen Yanbu und Al-Ula
Archivaufnahme: Ricky Brabec (Monster Energy Honda HRC) auf der zweiten Etappe der Dakar 2026 am 5. Januar 2026 zwischen Yanbu und Al-Ula. Fotograf nicht genannt. Quelle: motorcycles.news

Plan A und Plan B: was berichtet wird

Bestätigt hat die ASO keines der beiden Szenarien. Die Details stammen aus mehreren Medienberichten der vergangenen zwei Wochen.

Marca berichtete am 3. Oktober, die ASO habe den Teams beim Rallye du Maroc in Zagora zwei Optionen vorgestellt. Die erste: Die Dakar bleibt in Saudi-Arabien, die Strecke wird aber nördlich von Riad gehalten, um Abstand zur Grenze zum Jemen zu wahren, mit wenigen Biwaks nach dem Muster der Marokko-Rallye. Diese Option soll laut Marca bis zur Verschiffung der Fahrzeuge Ende November aufrechterhalten werden, die ursprünglichen Daten blieben dabei erhalten. Reuters meldete am 8. Oktober unter Berufung auf zwei Fahrer und ein Teammitglied aus der World Rally-Raid Championship ebenfalls eine neue Route im Norden des Königreichs mit weniger Biwaks. ASO, FIA und FIM antworteten Reuters zunächst nicht.

Die zweite Option ist laut Marca eine auf acht Tage verkürzte Rallye in Marokko mit Start um den 8. Januar. Das spanische Fernsehen RTVE ergänzte am 17. Oktober unter Berufung auf Quellen, die mit den Gesprächen vertraut sind: Geplant sei ein Prolog auf der Iberischen Halbinsel am 8. Januar, danach acht Etappen in Marokko. Nach Angaben des TVE-Journalisten Paco Grande hängt die Umsetzung auch am Namen. Die saudische Seite weigere sich, der ASO die Marke „Dakar“ zu überlassen, falls die Rallye das Land verlässt. Als mögliche Alternative werde eine Bezeichnung wie „Dakar Series“ diskutiert. Eine Entscheidung erwarten die von RTVE zitierten Quellen in Kürze.

Marc Coma auf einer KTM während einer Etappe der Rallye Dakar 2007 in Marokko
Archivaufnahme: Marc Coma bei einer Etappe der Dakar 2007, laut RTVE das letzte Mal, dass die Rallye in Marokko gefahren wurde. Foto: EFE/Eric Vargiolu. Quelle: RTVE

Gerüchte über eine komplette Absage hatte die ASO bereits im September zurückgewiesen. Laut motorcycles.news erklärte der Veranstalter damals, sie seien „unbegründet“, die Vorbereitungen lägen im Zeitplan.

Die nächsten Fristen

Laut dem offiziellen Teilnehmerkalender endet die Einschreibung am 20. Oktober 2026. Technische Abnahme und Verschiffung der Fahrzeuge in Europa sind für den 27. und 28. November angesetzt, die Fahrzeugübergabe in Saudi-Arabien für den 28. Dezember. Bis zur Verladung Ende November müssten die Teams also wissen, wohin ihr Material geht. Ob die ASO vorher eine geänderte Route, einen anderen Austragungsort oder den Originalplan bestätigt, ist offen.

Quellen- und Bildnachweise

Published inAllgemein