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Dakar 2027 vor Umzug nach Marokko: Was bekannt ist, was offen bleibt

Serie: Dakar 2027

Die Dakar 2027 wird nach übereinstimmenden Medienberichten nicht in Saudi-Arabien gefahren, sondern überwiegend in Marokko. Der Veranstalter Amaury Sport Organisation (ASO) soll Teams und Fahrer am Montag, 19. Oktober 2026, informiert haben. Eine öffentliche Bestätigung von ASO gibt es bisher nicht. Die offizielle Website dakar.com stellte am 22. Oktober 2026 auf der Startseite weiterhin die Route in Saudi-Arabien vor. Die neue Strecke soll laut Moto Verte und MotocrossMag am 26. oder 27. Oktober präsentiert werden.

Was die Berichte übereinstimmend melden

Die Nachrichtenagentur Reuters beruft sich auf drei Personen aus der Rallye-Raid-Weltmeisterschaft W2RC, nämlich zwei Fahrer und einen Teammanager. Demnach beginnt die 49. Ausgabe in Europa mit einem Prolog in Spanien oder Portugal. Danach geht es nach Marokko, wo rund 12 Etappen geplant sein sollen. Als Zeitraum nennt Reuters den 9. bis 22. Januar 2027. ASO, der Automobil-Weltverband FIA und der Motorrad-Weltverband FIM antworteten laut Reuters-Bericht (veröffentlicht von Sowetan) nicht sofort auf Anfragen.

Ursprünglich war die Dakar 2027 für den 1. bis 15. Januar 2027 angesetzt. Im Mai hatte ASO eine Route mit Start und Ziel in King Abdullah Economic City vorgestellt, mit 5.320 Kilometern Wertungsprüfungen. Das wäre die achte Ausgabe in Saudi-Arabien gewesen, wo die Rallye seit 2020 stattfindet.

Mehrere Medien beschreiben weitere Eckdaten. Laut Moto Verte umfasst der Plan einen Prolog, 12 Etappen mit einer Marathonetappe sowie einen Ruhetag am Samstag, 16. Januar 2027. Bei einer Marathonetappe übernachten die Teilnehmer ohne Hilfe ihrer Serviceteams. Die Abnahme soll vom 6. bis 8. Januar in Europa stattfinden, danach folgt eine Fährüberfahrt über das Mittelmeer. Sportliches Zentrum soll Merzouga in der Wüste im Südosten Marokkos werden. Der marokkanische Streckenteil gilt laut Moto Verte und MotocrossMag bereits als festgelegt, der Ort des Prologs dagegen noch nicht.

Motorradfahrer auf einer Sanddüne im Abendlicht während der Dakar 2026 in Saudi-Arabien
Archivaufnahme: Tosha Schareina (Monster Energy Honda HRC) auf der 8. Etappe der Dakar 2026 am 12. Januar 2026 bei Wadi Ad-Dawasir, Saudi-Arabien. Foto: © A.S.O./F. Gooden/DPPI, Quelle: dakar.com

Wo sich die Angaben unterscheiden

Bei mehreren Details widersprechen sich die Berichte. Klären lassen sich diese Punkte erst mit der offiziellen Präsentation.

  • Starttermin: Reuters, Moto Verte, MotocrossMag und Get Dirt nennen Samstag, 9. Januar 2027. Franceinfo schreibt vom 8. bis 22. Januar.
  • Etappen: Die meisten Quellen sprechen von 12 Etappen nach dem Prolog. Franceinfo und Journalist Gaël Robic nennen 11 Etappen in Marokko.
  • Distanz: Moto Verte und MotocrossMag nennen eine Gesamtdistanz von rund 4.900 Kilometern. 7news Morocco beruft sich auf die spanische Sportzeitung AS und berichtet von rund 4.300 Kilometern Wertungsprüfungen. Get Dirt schreibt von 4.500 Kilometern Wertungsprüfungen, Franceinfo von einer Strecke von rund 4.000 Kilometern. Unklar ist, ob sich diese Zahlen auf dieselbe Messgröße beziehen.
  • Name: Moto Verte, MotocrossMag und Franceinfo berichten, der Name „Dakar“ bleibe trotz der Verträge mit Saudi-Arabien erhalten. Get Dirt hielt dagegen eine Umbenennung für wahrscheinlich.

Gründe für den Kurswechsel

Als Auslöser nennt Reuters die zunehmenden Angriffe der Huthi-Miliz aus dem Jemen auf saudische Städte, Flughäfen und Energieanlagen. Bei einem Angriff auf den internationalen Flughafen von Riad am 10. Oktober 2026 wurden laut Reuters mindestens 12 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt. Zuvor hatte ASO laut Reuters an einer Ausweichroute im Norden Saudi-Arabiens gearbeitet. Nach Angaben von Moto Verte und Afrik.com wurde auch eine verkürzte Variante mit acht Etappen in Marokko erwogen.

Moto Verte berichtet, Toyota und KTM hätten Bedenken gegen eine Reise in ein Konfliktgebiet geäußert. Entscheidend seien aber die Versicherungen gewesen, die sich bei offiziellen Reisewarnungen zurückziehen. Get Dirt nennt zusätzlich Honda unter den Herstellern, die protestiert haben sollen. Stellungnahmen der Hersteller selbst liegen dazu nicht vor.

Offene Fragen bis zur Präsentation

Nach Angaben von Moto Verte soll die Anmeldung am Montag, 16. November 2026, schließen. Eine Bestätigung von ASO gibt es auch dafür nicht. Moto Verte weist auf ein mögliches Problem beim Gelände hin: Marc Coma, Direktor der Rallye du Maroc, habe darauf hingewiesen, dass der Süden Marokkos für so viele Etappen schnell ausgereizt sei und die Strecke weiter in die Sahara führen müsse. Wie es nach 2027 weitergeht, ist ebenfalls offen. Laut Moto Verte ist ASO mit Saudi-Arabien durch einen Zehnjahresvertrag bis 2029 verbunden.

Die letzte in Afrika ausgetragene Dakar fand 2007 statt, mit Start in Lissabon und Ziel in Dakar. Die Ausgabe 2008 wurde wegen Terrordrohungen abgesagt. Von 2009 bis 2019 fuhr die Rallye in Südamerika, seit 2020 in Saudi-Arabien.

Luciano Benavides jubelt mit seinem KTM-Team im Ziel der Dakar 2026
Archivaufnahme: Luciano Benavides (Red Bull KTM Factory Racing) feiert am 17. Januar 2026 in Yanbu, Saudi-Arabien, seinen Sieg in der Motorradwertung der Dakar 2026. Foto: © A.S.O./J. Delfosse/DPPI, Quelle: dakar.com

Africa Eco Race 2027: Route über Guerguerat steht

Auch das Africa Eco Race fährt im Januar 2027 durch Marokko, allerdings auf der klassischen Route bis Senegal. Die Veranstalter hatten die Karte der 18. Ausgabe laut offizieller Website bereits am 11. September 2026 veröffentlicht. Nach Angaben von Hespress vom 21. Oktober 2026 startet das Rennen am Sonntag, 24. Januar 2027, in Tanger. Über Meknès, Erfoud, M’Hamid und Assa geht es am 28. Januar nach Laâyoune und am Tag darauf nach Dakhla. Nach dem Ruhetag am 30. Januar überqueren die Teilnehmer bei Guerguerat die Grenze nach Mauretanien. Das Ziel am Lac Rose bei Dakar ist für Samstag, 6. Februar 2027, geplant. Die Etappendistanzen sollen nach einer Erkundung im November folgen.

Die Strecke durch die Westsahara ist politisch umstritten. Am 13. Januar 2020 hielten Demonstranten, die die Polisario-Front unterstützen, den Konvoi bei Guerguerat für einige Minuten an, berichtet Hespress. Vor der Ausgabe 2022 warnte die Polisario die Veranstalter. Die Durchfahrt nach Mauretanien verlief damals laut Hespress ohne gemeldeten Sicherheitsvorfall. Im Januar 2026 mussten der Prolog und die erste Wertungsprüfung wegen Starkregen, Sturm und Schneefall abgesagt werden. Für 2027 wollen die Veranstalter laut Hespress Logistik und Sicherheit entlang der Route verstärken.

Sollte die Dakar wie berichtet am 22. Januar enden, startet das Africa Eco Race zwei Tage später. Darauf weist Afrik.com hin.

Quellen- und Bildnachweise

Published inAllgemein