Last updated on 1. September 2026
Drei Adventure-Klassen, rund 100 Starter und Motorräder vom vergleichsweise leichten 450er-Twin bis zur ausgewachsenen Reiseenduro: Bei den Red Bull Romaniacs 2026 zeigte sich eindrucksvoll, dass aus dem Experiment „Adventure Bike“ inzwischen eine eigene Rennsportdisziplin geworden ist. Besonders spannend war dabei das Aufeinandertreffen von Hard-Enduro-Spezialisten, Rallypiloten und ambitionierten Privatfahrern. Und mittendrin: einige bemerkenswerte deutsche Teilnehmer.
Die Red Bull Romaniacs waren lange Zeit vor allem eines: eines der härtesten Rennen der Welt für klassische Sportenduros. Doch inzwischen hört man in den rumänischen Karpaten immer häufiger Zweizylinder – und teilweise sogar Dreizylinder. 2026 gingen rund 100 Teilnehmer in den drei Adventure-Klassen an den Start. Dabei trafen völlig unterschiedliche Konzepte aufeinander: CFMOTO 450MT, Yamaha Ténéré 700, KTM 890 Adventure, Triumph Tiger 900, BMW R 12 G/S, BMW R 1300 GS, Kove 800X Rally oder sogar KTM 950 SuperEnduro.

Die Frage lautet längst nicht mehr, ob man mit einem Adventure Bike Romaniacs fahren kann. Die Frage ist inzwischen:
Wie weit kann man damit gehen?
Drei Klassen – drei Vorstellungen von Adventure
2026 bestand die Adventure-Kategorie erstmals aus drei Klassen: Adventure Lite, Adventure Core und Adventure Ultimate. Lite bildet den Einstieg. Die Strecken sind flüssiger und weniger extrem als in den höheren Klassen, enthalten aber weiterhin typische Romaniacs-Elemente. Darüber wurde 2026 erstmals Adventure Core angesiedelt. Die neue Klasse soll die große Lücke zwischen Lite und Ultimate schließen. Hier treffen schnellere Rally- und Adventure-Passagen auf Singletrails sowie deutlich technischere Auf- und Abfahrten.
Und dann gibt es Adventure Ultimate. Hier wird aus Adventure endgültig Hard Adventure. Technische Singletrails, Felsen, steile Auf- und Abfahrten und Gelände, bei dem schon eine normale Sportenduro anspruchsvoll zu bewegen wäre.
Nur dass hier Motorräder mit zwei Zylindern und teilweise deutlich über 200 Kilogramm bewegt werden. Der Veranstalter selbst spricht inzwischen von einer neuen Disziplin:
Hard Adventure Racing.
Und das Fahrerfeld 2026 zeigte ziemlich eindrucksvoll, wohin die Reise geht.
Adventure Ultimate: Mario Roman schlägt Pol Tarrés
Vor dem Rennen galt Pol Tarrés auf seiner Yamaha Ténéré 700 als einer der großen Favoriten. Tarrés hatte Adventure Ultimate 2025 gewonnen und über Jahre gezeigt, was mit einer großen Ténéré im extremen Gelände möglich ist. Doch 2026 bekam er neue Konkurrenz.
Mit Mario Roman und Dieter Rudolf wechselten zwei erfahrene Gold-Class-Piloten auf Adventure Bikes. Roman setzte dabei auf eine CFMOTO 450MT, Rudolf auf eine KTM 890 Adventure. Bereits der Prolog zeigte, wie eng es werden würde.
Tarrés und der Deutsche Kevin Gallas wechselten sich in den ersten Runden an der Spitze ab. Ein Sturz von Tarrés öffnete schließlich Roman die Tür. Der Spanier gewann den Prolog. Und er blieb auch in den Karpaten schnell.
Roman gewann die ersten beiden Offroad-Tage. Tarrés schlug am dritten Tag zurück, sodass vor dem Finale gerade einmal rund fünf Minuten zwischen den beiden lagen. Die Entscheidung fiel erst am letzten Tag. Tarrés stürzte zweimal, beschädigte unter anderem eine Fußraste und später sein Visier. Roman blieb dagegen weitgehend fehlerfrei.
Nach vier Offroad-Tagen stand fest:
- Mario Roman – CFMOTO 450MT – 13:27:30
- Pol Tarrés – Yamaha Ténéré 700 – +14:40
- Dieter Rudolf – KTM 890 Adventure – +15:53
- Kevin Gallas – Yamaha Ténéré 700 – +37:54
Damit standen drei völlig unterschiedliche Motorradkonzepte auf dem Podium. Eine 450er CFMOTO gewann vor einer Ténéré 700 und einer KTM 890 Adventure. Vielleicht war genau das eine der wichtigsten Erkenntnisse der Romaniacs 2026:
Das perfekte Hard-Adventure-Rennmotorrad gibt es offenbar noch nicht.
Kevin Gallas: Platz vier erzählt nur die halbe Geschichte
Aus deutscher Sicht war Kevin Gallas einer der auffälligsten Fahrer der gesamten Adventure-Kategorie. Gallas kommt ursprünglich stark aus Trial, SuperEnduro und Hard Enduro. Inzwischen gehört aber auch Rally zu seinem sportlichen Profil. Wie erfolgreich dieser Schritt inzwischen ist, zeigte er bereits zu Beginn des Jahres: Gallas gewann 2026 auf Yamaha die Motorrad-Gesamtwertung der Africa Eco Race. Nach dem langen Weg durch Marokko, Mauretanien und Senegal setzte er sich in Dakar mit nur 41 Sekunden Vorsprung vor Gautier Paulin durch. Damit bringt er inzwischen eine ausgesprochen interessante Mischung mit: Trialtechnik und extreme Enduro-Erfahrung auf der einen, Rally, Navigation und lange Renntage auf der anderen Seite.
Bei den Romaniacs funktionierte diese Kombination bemerkenswert gut. Schon im Prolog zeigte Gallas, dass er nicht nur mitfahren wollte. Auf seiner Yamaha Ténéré 700 kämpfte er in den ersten Runden direkt mit Pol Tarrés um die Führung.
Am ersten Offroad-Tag musste Gallas zunächst seinen Rhythmus finden, arbeitete sich aber auf Rang vier nach vorne. Auch danach blieb er in der Spitzengruppe. Nach drei Tagen lag er weiterhin auf dem vierten Gesamtrang. Für das Podium reichte es am Ende nicht.
Doch sein spektakulärster Moment kam ohnehin erst ganz zum Schluss.
Der Finalberg – und Gallas fährt einfach hoch
Die Finish-Arena in Sibiu gehört zu den Bildern, die man mit den Red Bull Romaniacs verbindet. Nach vier Tagen in den Karpaten wartet noch einmal ein künstlich bzw. speziell präparierter Schlussbereich mit einem brutalen Hauptanstieg vor tausenden Zuschauern. Und genau dort setzte Gallas eines der Ausrufezeichen der gesamten Adventure-Woche.
Mit seiner Ténéré attackierte er den Haupt-Hillclimb. Und bezwang ihn direkt.
Kevin Gallas war damit der erste Adventure-Fahrer, der den großen finalen Haupt-Hillclimb bezwang.
Der Veranstalter bezeichnete seinen Lauf später als einen der prägenden Momente des Adventure-Rennens. Und vielleicht beschreibt genau diese Szene Gallas‘ Romaniacs besser als die Ergebnisliste. Dort steht am Ende Platz vier.
Wer ihn am Finalberg gesehen hat, dürfte sich jedoch an etwas anderes erinnern: an eine Ténéré 700, einen ziemlich absurden Hang – und einen Fahrer, der einfach hochfährt.
Maxi Schek: Dakar, GCC – und Romaniacs mit Boxer
Eine völlig andere Geschichte schrieb Maxi Schek. Schek kommt aus dem Enduro- und Cross-Country-Sport, fährt die German Cross Country Championship (GCC) und hat sich gleichzeitig immer stärker Richtung Rally Raid entwickelt. 2026 finishte er die Dakar in der besonders ursprünglichen Original-by-Motul-/Malle-Moto-Wertung, bei der die Fahrer ohne klassischen Teamservice auskommen und einen großen Teil der Arbeit am Motorrad selbst erledigen müssen.
Auch für die kommende Dakar bleibt dieser Weg Teil seiner sportlichen Ausrichtung. Für Romaniacs wählte Schek allerdings ein bemerkenswertes Arbeitsgerät:
eine BMW R 12 G/S.
Während andere Teams ihre Adventure Bikes konsequent für den Wettbewerb optimierten, stellte Schek einen großen luft-/ölgekühlten Boxer an den Start von Adventure Core. Schon der Prolog brachte Rang fünf. Am ersten Offroad-Tag lag Schek auf Platz sieben, am zweiten erneut auf Platz sieben. Am dritten Tag hatte er sich auf Gesamtrang sechs nach vorne gearbeitet.
Dabei verlief die Woche keineswegs problemlos. Fahrer und BMW mussten technische Schwierigkeiten wegstecken. Doch Schek blieb im Rennen. Am Ende wurde daraus ein bemerkenswertes Ergebnis:
Platz vier in Adventure Core.
Seine Gesamtzeit betrug 12:02:24 Stunden – 41:37 Minuten hinter dem Sieger. Damit verpasste Schek das Podium nur um einen Platz. Gerade sein Fahrerprofil macht diesen Auftritt interessant.
Dakar und Rally Raid verlangen Navigation, Ausdauer und das Management von Fahrer und Motorrad über lange Renntage. Die GCC bringt dagegen hohes Cross-Country-Tempo auf Sicht, direkte Zweikämpfe und schnelles Reagieren auf ständig wechselnden Untergrund. Bei den Romaniacs musste Schek diese Fähigkeiten mit technischem Enduro kombinieren.
Und zwar mit Boxer. Die Romaniacs selbst griffen die Geschichte während der Veranstaltung auf und widmeten Schek einen Beitrag mit dem ziemlich passenden Titel:
„Boxer power, baby!“
Manolito Welink: Adventure Racing lange vor dem Adventure-Hype
Ein weiterer deutscher Fahrer verdient in diesem Zusammenhang mehr Aufmerksamkeit: Manolito Welink. Denn Welinks Motorsport-Lebenslauf passt erstaunlich gut zur Entwicklung, die wir momentan im Adventure Racing beobachten. Seine Geschichte beginnt nicht mit Reiseenduros.
Schon als Kind fuhr er Motocross, später kamen Straßenrennsport und Supermoto hinzu. Danach verlagerte sich der Schwerpunkt immer stärker ins Gelände. Auch die GCC ist für Welink kein Neuland. 2010 erreichte er in der GCC Pro Experts Gesamtrang sieben, 2011 sogar Gesamtrang sechs.
Damit bringt er genau jene Cross-Country-Erfahrung mit, die auf einem Adventure Bike ausgesprochen wertvoll sein kann: hohes Tempo auf Sicht, wechselnder Untergrund, Zweikämpfe und die Fähigkeit, über längere Zeit konstant schnell zu fahren. Noch interessanter ist jedoch, dass Welink große Zweizylinder schon sportlich bewegte, bevor Hard Adventure Racing zum aktuellen Trend wurde. 2022 setzte er beispielsweise eine Husqvarna Norden 901 im echten Enduro-Wettbewerb ein.
Nicht bei einer touristischen Adventure-Ausfahrt. Sondern unter anderem bei einem Drei-Stunden-Enduro und sogar bei der Enduro-DM in Streitberg. Mit rund 200 Kilogramm Motorrad durch rutschige Auf- und Abfahrten und klassische Enduroprüfungen zu fahren, war damals noch deutlich ungewöhnlicher als heute.

Welink gehört damit zu den Fahrern, die schon früh gezeigt haben:
Ein großes Adventure Bike kann auch ein Sportgerät sein.
Bei den Romaniacs 2026 fügt sich sein Start deshalb in eine bemerkenswerte deutsche Gruppe ein. Da ist Kevin Gallas, der Trial, Hard Enduro und Rally verbindet. Maxi Schek bringt Dakar, Rally Raid, Malle Moto, GCC und Enduro zusammen.
Und Manolito Welink kommt mit jahrzehntelanger Erfahrung aus Motocross, Supermoto, Cross Country, Enduro und dem Wettbewerbseinsatz schwerer Zweizylinder. Drei Fahrer – und drei völlig unterschiedliche Wege zum Adventure Racing.
Sam Sunderland: Ein Dakar-Champion bei den Romaniacs
Der prominenteste Rallypilot im Adventure-Feld war allerdings Sam Sunderland. Zweimal Dakar-Sieger. Zweimal Rally-Raid-Weltmeister.
2025 hatte Sunderland bei seinem Romaniacs-Debüt Adventure Lite praktisch dominiert. Er gewann den Prolog und alle vier Offroad-Tage und lag am Ende mehr als vier Stunden vor der Konkurrenz. Für 2026 war deshalb klar: Lite war erledigt.
Sunderland stieg in die neue Adventure Core auf. Sein Motorrad war dabei bemerkenswert konventionell. Die Triumph Tiger 900 Rally Pro blieb vergleichsweise nah am Serienzustand und gehörte zu den schwersten Motorrädern der Klasse.
Trotzdem kämpfte Sunderland um den Gesamtsieg. Doch René Columna auf der CFMOTO 450MT erwies sich als harter Gegner. Sunderland musste während des Rennens zudem technische Schwierigkeiten verkraften. Am Finaltag startete der Dakar-Champion noch einmal eine große Aufholjagd.
Es reichte nicht ganz. René Columna gewann Adventure Core in 11:20:47 Stunden. Sunderland wurde Zweiter – 11:42 Minuten dahinter.
Für einen zweifachen Dakar-Sieger dürfte Platz zwei nicht das gewünschte Resultat gewesen sein. Für die Entwicklung des Hard Adventure Racing ist seine Leistung trotzdem hochinteressant. Ein Dakar-Champion bewegt eine weitgehend serienmäßige, schwere Tiger 900 durch echtes Romaniacs-Gelände und kämpft damit bis zum letzten Tag um den Klassensieg.
Das zeigt, wie weit Rally-Raid-Fähigkeiten auch bei den Romaniacs tragen können. Und gleichzeitig, wo ihre Grenzen beginnen.
Ivan Cervantes: Das eigene Rennen für den Teamkollegen geopfert
Auch Sunderlands Triumph-Teamkollege Ivan Cervantes gehört unbedingt in diese Geschichte. Cervantes ist allerdings kein klassischer Rallypilot. Er ist fünffacher Enduro-Weltmeister und hat später erfolgreich den Schritt in Richtung Rally und Adventure vollzogen.
Damit verkörpert er nahezu perfekt die Verschmelzung der verschiedenen Offroad-Disziplinen. Auch Cervantes startete mit einer Tiger 900 in Adventure Core. Seine Romaniacs endeten jedoch am zweiten Offroad-Tag.
Und die Geschichte dahinter ist bemerkenswerter als irgendeine Platzierung. Sowohl Cervantes als auch Adventure-Ultimate-Fahrer Jonny Walker hatten technische Probleme mit ihren Triumph-Motorrädern. Cervantes entschied sich daraufhin, sein eigenes Rennen aufzugeben und Walker Teile seines Motorrads zur Verfügung zu stellen, damit dieser weiterfahren konnte.
Walker erreichte schließlich auf der rund 220 Kilogramm schweren, seriennahen Tiger 900 Platz sechs in Adventure Ultimate. Cervantes bekam dafür kein Ergebnis in der Tabelle. Aber wahrscheinlich einen der stärksten Team-Momente der gesamten Veranstaltung.
Die deutschen Adventure-Fahrer
Gallas, Schek und Welink waren nicht die einzigen deutschen Fahrer, die sich auf große Motorräder setzten. In Adventure Core startete beispielsweise Nikolaus Häring auf einer Kove 800X Rally und arbeitete sich während der Woche deutlich nach vorne. In Adventure Lite war die deutsche Gruppe noch größer.
Unter anderem standen Raimund Ochs mit einer KTM 950 SuperEnduro und Ralf Zeisberg mit einer Aprilia RXV 450 am Start. Die eingesetzten Motorräder zeigen, wie breit die Adventure-Idee bei den Romaniacs inzwischen geworden ist. Eine ausgewachsene Reiseenduro durch mehrere Tage rumänisches Offroad-Gelände zu bringen, ist etwas völlig anderes als der Kampf um Sekunden zwischen Roman und Tarrés in Ultimate.
Aber genau deshalb gibt es Lite. Dort geht es für viele Teilnehmer nicht darum, einen Werksfahrer zu schlagen. Das erste große Ziel lautet:
Romaniacs auf einem Adventure Bike finishen.
Vier deutsche Teilnehmer schafften 2026 das Adventure-Lite-Finish. Damit reichte das deutsche Spektrum vom Kampf um die Spitze in Ultimate bis zum erfolgreichen Finish mit ausgewachsenen Adventure-Motorrädern.
Ellie Pleissner: Mit GS-Trophy-Erfahrung ins Romaniacs-Finish
Eine dieser deutschen Finisherinnen war Ulrike „Ellie“ Pleissner von The8hundreds. Sie trat in Adventure Lite mit einer BMW R 1300 GS an – einem Motorrad, das schon auf dem Papier deutlich macht, worin ihre persönliche Herausforderung lag: nicht der Kampf um den Klassensieg, sondern das sichere und konstante Bewältigen der Romaniacs mit einer ausgewachsenen Reiseenduro.
Ganz neu war extremes Gelände mit einer großen BMW für Ellie allerdings nicht. Bei der BMW Motorrad International GS Trophy 2024 in Namibia gehörte sie gemeinsam mit Marion Linder zum deutschen Frauenteam. Dort sammelte sie Erfahrung mit schweren GS-Motorrädern, anspruchsvollen Offroad-Passagen und Aufgaben, bei denen Fahrtechnik, Ausdauer und Teamarbeit gleichermaßen gefragt waren.

Bei den Romaniacs 2026 übertrug sie diese Erfahrung auf ein echtes mehrtägiges Hard-Enduro-Format. Nach dem Prolog und allen vier Offroad-Tagen erreichte Ellie das Ziel und belegte Platz 31 in Adventure Lite. Damit war sie zugleich eine von nur sechs Frauen, die 2026 eine der Adventure-Klassen erfolgreich beendeten.
Ihr Ergebnis steht für eine andere, aber nicht weniger interessante Seite des Hard Adventure Racing: Eine R 1300 GS muss nicht um Podiumszeiten kämpfen, um bei den Romaniacs eine bemerkenswerte Geschichte zu schreiben. Manchmal besteht die eigentliche Leistung darin, ein solches Motorrad Tag für Tag durch die Karpaten zu bringen – und am Ende als Finisherin in Sibiu anzukommen.
Rallyfahrer verändern die Romaniacs
Besonders interessant ist, welche Fahrer inzwischen in diese junge Disziplin drängen. Sam Sunderland kommt praktisch aus der reinen Rally-Raid-Welt. Maxi Schek verbindet Dakar und Rally Raid mit Malle Moto, GCC und Enduro.
Kevin Gallas kommt aus Trial, SuperEnduro und Hard Enduro und hat sein Profil inzwischen deutlich Richtung Rally erweitert. Pol Tarrés verbindet Trial und Hard Enduro seit Jahren mit professionellem Rally Raid. Und Ivan Cervantes war zunächst einer der besten Endurofahrer der Welt, bevor Rally und Adventure hinzukamen.
Dazu kommen Fahrer wie Manolito Welink, die Cross Country, klassisches Enduro und den sportlichen Einsatz großer Zweizylinder schon seit Jahren miteinander verbinden. Sie treffen bei den Romaniacs auf Fahrer wie Mario Roman, Dieter Rudolf und Jonny Walker, deren Fundament noch stärker im Hard- und Extreme-Enduro liegt. Genau dieses Aufeinandertreffen macht die Adventure-Klassen momentan so spannend.
Noch weiß niemand, wie das perfekte Motorrad aussieht
Mindestens genauso interessant wie die Fahrer ist die technische Entwicklung. Mario Roman gewann auf einer CFMOTO 450MT. Pol Tarrés wurde Zweiter auf der Yamaha Ténéré 700.
Dieter Rudolf stellte eine KTM 890 Adventure auf Platz drei. Kevin Gallas wurde mit einer weiteren Ténéré Vierter. Jonny Walker brachte eine rund 220 Kilogramm schwere Triumph Tiger 900 auf Platz sechs.
In Core kämpfte Sunderland mit einer ebenfalls weitgehend seriennahen Tiger 900 um den Sieg, während Maxi Schek mit der BMW R 12 G/S auf Platz vier fuhr. Das sind keine Variationen desselben Konzepts. Das sind völlig unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage.
Leicht und handlich? Viel Drehmoment? Großes Fahrwerk?
Seriennähe? Extremumbau? 450 Kubik?
700? 900? Oder Boxer?
2026 gab es darauf noch keine endgültige Antwort. Und genau das macht diese junge Klasse interessant.
Von Romaniacs zur Rally
Für einige der deutschen Fahrer endet die Geschichte nicht in Sibiu. Denn Maxi Schek und Manolito Welink tauchen in einem anderen Umfeld wieder auf: bei der Dinaric Rally.
Und dort verändern sich die Anforderungen deutlich. Bei den Romaniacs geht es darum, ein großes Motorrad durch technisch teilweise absurdes Gelände zu bewegen. Traktion, Balance, Linienwahl und das Vermeiden von Fehlern können wichtiger sein als absolute Geschwindigkeit. Bei einer Rally verschiebt sich das Bild.
Navigation, Roadbook, hohes Tempo über längere Distanzen und die Fähigkeit, Motorrad und Körper über mehrere Renntage zu managen, treten stärker in den Vordergrund. Gerade deshalb sind Fahrer wie Schek und Welink interessant. Sie bewegen sich nicht nur innerhalb einer Disziplin.
Sie bewegen sich zwischen den Disziplinen. Und genau dort scheint sich momentan ein neuer Typ Adventure-Fahrer zu entwickeln.
Adventure Ultimate ist längst kein „Reiseenduro-Rennen“ mehr
Wer bei Adventure Ultimate noch an eine etwas härtere Reiseenduro-Veranstaltung denkt, dürfte spätestens 2026 eines Besseren belehrt worden sein. Das Niveau steigt enorm. Hard-Enduro-Profis wechseln auf Adventure Bikes.
Rally-Raid-Fahrer entdecken die Romaniacs. Cross-Country- und Endurofahrer bringen ihre Erfahrung mit großen Motorrädern ein. Hersteller entwickeln spezielle Motorräder, Fahrwerke und Konzepte.
Gleichzeitig lernen die Fahrer, Hindernisse mit Maschinen zu bewältigen, die teilweise doppelt so viel wiegen wie eine klassische Hard-Enduro. Die Grenzen zwischen Rally Raid, Hard Enduro, Trial, Cross Country und Adventure Racing beginnen zu verschwimmen. Vielleicht war deshalb nicht einmal Mario Romans Sieg das wichtigste Bild der Romaniacs 2026.
Vielleicht war es Kevin Gallas am letzten Berg. Eine Yamaha Ténéré 700 steht vor einem Anstieg, der eigentlich nicht für ein solches Motorrad gemacht ist. Gallas gibt Gas.
Und fährt hoch. Genau darum geht es bei Hard Adventure Racing momentan:
Dinge mit einem Adventure Bike zu versuchen, von denen man bis vor wenigen Jahren überzeugt war, dass man sie mit einem Adventure Bike besser nicht versucht.
Die Red Bull Romaniacs 2026 haben gezeigt, dass daraus inzwischen mehr als ein spektakuläres Experiment geworden ist.
Es entsteht eine neue Motorsportdisziplin.
Und für einige der Fahrer beginnt wenige Wochen später bereits das nächste Kapitel:
Rally.
PS: Im kommenden Podcast von Make it Rally werden auch Teilnehmer zu Wort kommen und direkt und ungefiltert Ihre Eindrücke teilen. Hört mal rein.

