Last updated on 4. November 2026
Dakar-Direktor David Castera bewertet die kurzfristige Neuplanung der Dakar 2027 als größte Aufgabe seiner bisherigen Laufbahn. „Ich verhehle nicht, dass es die größte Herausforderung meiner Karriere als Organisator sein wird, eine Dakar in zwei Monaten auf die Beine zu stellen“, sagte er der französischen Sportzeitung L’Équipe (Übersetzung aus dem Französischen). Das Interview von Jérôme Bourret erschien in der Ausgabe vom Freitag, 30. Oktober 2026, auf Seite 21. Die gedruckte Seite liegt Make It Rally als Material vor.

Warum die Dakar umzieht
Laut L’Équipe hatte der Veranstalter ASO (Amaury Sport Organisation) am Sonntag, 25. Oktober 2026, mitgeteilt, dass die Dakar 2027 wegen wiederholter Angriffe der Huthi nicht in Saudi-Arabien stattfinden kann. Die Zeitung nennt dabei einen Angriff auf den Flughafen von Riad am 10. Oktober. Die Strecke für Portugal und Marokko wurde am 30. Oktober vorgestellt. Die FIA spricht in ihrer Mitteilung allgemein von „jüngsten Entwicklungen in der Region“ (übersetzt) und kündigt an, dass die Dakar 2028 zur 50. Ausgabe nach Saudi-Arabien zurückkehren soll.
Die offiziellen Eckdaten
Nach Angaben der FIA vom 30. Oktober 2026 wird die 49. Dakar „ausnahmsweise“ nach Portugal und Marokko verlegt. Die Verlegung steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch den FIA-Weltrat für Motorsport (World Motor Sport Council). Die bisher bekannten Eckdaten:
- Termin: 9. bis 23. Januar 2027, Auftakt der FIA-Rallye-Raid-Weltmeisterschaft (W2RC) 2027.
- Start: Loulé-Faro an der Algarve. Im Algarve-Stadion beginnt das Programm, der Servicepark öffnet am 5. Januar, die Abnahmen laufen vom 6. bis 8. Januar.
- Format: Prolog am Samstag, 9. Januar, danach 12 Etappen.
- Distanz: 7.824 km gesamt, davon 4.341 km Wertungsprüfungen.
- Biwaks und Ziel: sechs Biwaks, Zielankunft am Samstag, 23. Januar, in Marrakesch.
Laut FIA ist es die erste Rückkehr der Dakar auf den afrikanischen Kontinent seit 2007. Die Streckenkarte in L’Équipe zeigt nach dem Prolog in Portugal die Überfahrt über die Straße von Gibraltar, ein Biwak in Bouârfa und den Ruhetag am 17. Januar in Agadir.
Castera: keine Kopie der Rallye du Maroc
Den Kurs hat Castera nach eigener Aussage am Rechner entworfen: Er habe sich sofort an Google Maps gesetzt, zwei, drei Tage lang Tag und Nacht. Dabei habe er bekannte Zonen genutzt, aber bewusst Gebiete und Pisten gemieden, die die Teilnehmer das ganze Jahr bei anderen Rennen und Tests befahren. Als Beispiel nennt er die Region um Merzouga, dort werde man nicht Station machen.
Castera hat nach eigenen Worten sieben Jahre lang die Rallye du Maroc organisiert. Die Idee sei aber ausdrücklich nicht gewesen, eine zweite Rallye du Maroc im XXL-Format zu fahren. Die Route führe von Rabat bis nach Bouârfa im äußersten Osten und dann in den tiefen Süden bis in die Nähe von Dakhla, wo das Refuge-Biwak der Marathon-Etappe liegen soll. Bei einer Marathon-Etappe übernachten die Teilnehmer ohne ihre Serviceteams. Die zweite Woche werde für fast alle Teilnehmer Neuland sein. Die Karte in L’Équipe weist den südlichen Abschnitt als von Marokko beanspruchtes Gebiet aus.
In Portugal ist laut Castera nach dem Prolog eine Wertungsprüfung von 100 km geplant, danach geht es per Schiff nach Marokko. Nach der Ankunft folge ein Transfertag ohne Wertung, dann elf Etappen in Marokko mit einem Ruhetag, einer Marathon-Etappe mit Nacht im Refuge und zwei Pit-Stop-Zonen.
Abweichungen zwischen Interview und offiziellen Angaben
Zwei Punkte im Interview stimmen nicht genau mit den offiziellen Angaben überein. Castera sagt zur Distanz, er sei „bei 4.400“ km angekommen, fast 1.000 weniger als in Saudi-Arabien (übersetzt). Die FIA nennt 4.341 km Wertungsprüfungen. Ob sich Casteras Wert auf denselben Planungsstand und ausschließlich auf die Wertungsprüfungen bezieht, geht aus dem Interview nicht hervor. Als Ankunftsort in Marokko nennt Castera Rabat. Der vorliegende Auszug der FIA-Mitteilung nennt keinen Ankunftshafen, deshalb lässt sich dieser Punkt hier nicht abschließend klären.
Zur Länge der Etappen sagt Castera, drei Wertungsprüfungen lägen bei rund 500 km, alle anderen bei mindestens 350 km. Einige befragte Teilnehmer hielten die Gesamtdistanz nach seinen Worten fast schon für zu lang.
Zwei Teams, volles Risiko für ASO
Für die Vorbereitung arbeiten laut Castera zwei Teams gleichzeitig an der Strecke, eines an der ersten, eines an der zweiten Rennwoche. Die Teams, die alle Geländedaten digitalisieren, seien verstärkt worden. Die Kosten trage ASO vollständig. „Das ist ein großes finanzielles Risiko, aber es ist unsere Pflicht, um die Disziplin zu erhalten“, sagte Castera (übersetzt). Die Dakar mache bei vielen Teams etwa 60 Prozent des Umsatzes aus. Eine Absage hätte diese Strukturen und damit die Zukunft der Rallye gefährden können. ASO ist zugleich Promoter der W2RC.
Gelände: weniger Sand, mehr Steine
Castera erwartet weniger Sand als in Saudi-Arabien, dafür eine Mischung aus sehr technischen und schnellen Pisten. Im Norden führe die Strecke am Atlas entlang, im Süden über große, sehr flache Wüstenplateaus. Etwas Sand gebe es trotzdem. „Es wird ein anspruchsvolleres Gelände als in Saudi-Arabien, weil es von Natur aus materialmordend ist, mit vielen Wadis, Rinnen und großen Steinen“, sagte er (übersetzt). Wadis sind ausgetrocknete Flussbetten.
Für die Motorradfahrer werde es nach seiner Einschätzung körperlich deutlich härter, als sie es sich vorstellen können. Seine Zusage für das Ziel in Marrakesch: „Es wird keine Dakar zum Sparpreis. Wer am 23. Januar im Ziel in Marrakesch seine Finisher-Medaille bekommt, wird sie verdient haben“ (übersetzt).
Teilnehmerfeld: Motorräder voll, Lücken bei den Autos
Bei den Motorrädern sei das Feld voll, sagte Castera. Bei den Autos rechnet er mit dem Verlust von etwa 30 Fahrzeugen. Wegen der Unsicherheit über die Austragung in Saudi-Arabien hätten manche Teams ihre Partnersuche eingestellt, und Budgets zwischen 500.000 und 700.000 Euro seien zwei Monate vor dem Start schwer aufzubringen. Abgesehen davon blieben die Zahlen „enorm“. Diese Angaben stammen vom Veranstalter, Nennlisten liegen noch nicht vor und die Zahlen sind nicht unabhängig geprüft.
Quellen- und Bildnachweise
- L’Équipe, Jérôme Bourret: „David Castera: ‚Un défi colossal‘“, Interview, Printausgabe vom 30. Oktober 2026, Seite 21 (der Redaktion als Material MA-0022 vorliegend). Alle Zitate von David Castera sind aus dem Französischen übersetzt.
- FIA: „Dakar to return to Africa in 2027 as Portugal and Morocco set to host 49th edition“, 30. Oktober 2026: fia.com
- Foto: Seite 21 der L’Équipe vom 30. Oktober 2026 mit Castera-Porträt und Streckenkarte. Bildnachweis: Material MA-0020 (Make It Rally, Mediathek), Aufnahme vom 4. November 2026. Foto auf der Zeitungsseite: Alain Mounic/L’Équipe. Originalquelle: https://mediathek.invalid/248f9347-c0aa-4eeb-b214-0351f40d06be/WhatsApp%20Image%202026-11-04%20at%2007.55.14.webp

