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FIM Rallys 2/3: FIM Europe Tout Terrain Rally Cup

Last updated on 4. August 2026

FIM Europe Tout Terrain Rally Cup

Der FIM Europe Tout Terrain Rally Cup ist eine europäische Rally-Raid-Serie für Motorräder, Quads und SSV. Er wird von FIM Europe organisiert und bildet sportlich eine Stufe unterhalb der weltweiten FIM-Rally-Raid-Meisterschaften. Die Veranstaltungen sind echte Langstreckenrallyes: Jeder Lauf muss mindestens 800 Kilometer umfassen und mindestens vier Tage dauern; pro Saison sind höchstens fünf Läufe vorgesehen.

Die Klassen

Für 2026 nennt das Reglement folgende Kategorien:

  • M1 125–390 cm³
  • M2 400–475 cm³
  • M3 480–600 cm³, Einzylinder
  • M4 650–750 cm³, Einzylinder
  • M5 650–1300 cm³, Zweizylinder
  • Dazu kommen Wertungen für Women, Veteran 55, Quad und SSV.

M5 ist derzeit besonders interessant, weil dort die großen Zweizylinder-Rallybikes wie Aprilia Tuareg und Triumph Tiger antreten. Die leichteren 450er Rallymaschinen fallen typischerweise in M2. Dadurch treffen sehr unterschiedliche Konzepte aufeinander: leichte, agile Einzylinder gegen schwerere, leistungsstärkere Zweizylinder.

Wertung und Punkte

Die Gesamtzeit eines Laufes setzt sich aus den Zeiten der Wertungsprüfungen und sämtlichen Strafen zusammen. Der Fahrer mit der niedrigsten Gesamtzeit gewinnt.

Die Cup-Punkte für besten 15 reichen von:
20-17-15-13-11-10-9-8-7-6-5-4-3-2-1

Längere Rallyes erhalten einen Multiplikator:
• vier Tage: Faktor 1,0,
• fünf bis sechs Tage: Faktor 1,25,
• sieben bis acht Tage: Faktor 1,5.

Zusätzlich gibt es Bonuspunkte für die Teilnahme an mehreren Saisonläufen. Wer drei Läufe fährt, bekommt fünf Bonuspunkte; bei vier Läufen sind es zehn, bei fünf Läufen 15 Punkte. Das belohnt nicht nur einzelne Siege, sondern auch eine vollständige Saison.

Strafen und Weiterfahren trotz Problemen

Das System erklärt auch einige der sehr hohen Zeiten in der RO-Rally-Wertung.
Wer eine Wertungsprüfung nicht startet, kann die Zeit des letzten regulären Fahrers plus sechs Stunden erhalten. Wer eine Prüfung beginnt, aber nicht beendet, bekommt eine errechnete Zeit einschließlich Wegpunktstrafen. Fehlende Kontrollpunkte kosten normalerweise 15 Minuten, fehlende Zeitkontrollen 30 Minuten.

Dadurch kann ein Fahrer nach einem Defekt oder Navigationsproblem oftmals am nächsten Tag weiterfahren, liegt aber mit einer enormen Strafzeit weit hinten. Das dürfte beispielsweise hohe Etappenzeiten wie die von Tim Duerr bei der RO Rally erklären, ohne dass das konkrete Reglement allein die Ursache seines Falles bestätigt. In der offiziellen RO-Rally-Wertung werden solche auffällig hohen Zeiten mehrfach sichtbar.

Sicherheit

Das Reglement verlangt unter anderem:

  • permanentes Satelliten-Tracking,
  • Warnsysteme für Überholvorgänge und Fahrzeuge,
  • Mobiltelefon und Erste-Hilfe-Ausrüstung,
  • mindestens zwei Liter Wasser,
  • Rettungsdecke und Feuerlöschmittel,
  • medizinische Fahrzeuge an Start, Ziel und etwa alle 100 Kilometer einer Wertungsprüfung.

Die ersten zwei Fahrer, die zu einem Unfall kommen, müssen anhalten und helfen. Die dabei verlorene Zeit kann ihnen gutgeschrieben werden.
Ein wichtiger Punkt: Die Rallyes verlaufen teilweise auf Straßen, die für den öffentlichen Verkehr offen sind. Nur der Prolog muss vollständig gesperrt sein; Wertungsprüfungen müssen mit verfügbaren Mitteln gegen Verkehr geschützt werden. Gleichzeitig verpflichtet das Reglement die Fahrer ausdrücklich, mit zivilen Fahrzeugen zu rechnen und Verkehrsregeln einzuhalten.

Die Saison 2026

  1. Galicia Rally, Spanien: rund 1.635 Kilometer, davon ungefähr 1.355 Kilometer Wertungsprüfungen. Sieger wurde Jacopo Cerutti vor Thomas Marini.
  2. Hellas Rally Raid, Griechenland: fast 1.700 Kilometer Wertungsprüfungen durch Berge, Wälder und felsiges Gelände. Erneut gewann Cerutti.
  3. RO Rally Marathon, Rumänien: sieben Etappen durch Wälder, über schnelle Schotterpisten, Hügel und schwierige Navigationsabschnitte. Thomas Marini gewann.
  4. Sandalion Rally, Italien: Saisonabschluss in Oliba Sardinien am 13.-17. Oktober

Stand 2026

  1. Thomas Marini (San Marino / Aprilia) – 67
  2. Jacopo Cerutti (Italien / Aprilia) – 50 Punkte
  3. Maikol Reboldi (Italien / Triumph) – 41 Punkte
  4. Alexandru Daniel Goran (Rumänien / Husqvarna) – 35 Punkte
  5. Daniele Livi (Italien / Husqvarna) – 29 Punkte

Historisch prägende Namen

Einige Fahrer verbinden die verschiedenen Entwicklungsphasen:

  • Joan Pedrero gewann den Saisonauftakt 2019.
    • 15 Dakar-Teilnahmen
    • HarleyDavidson Werksfahrer
    • Beim Africa Ecorace Gesamt Top 10 und Klassensieger mit PanAm 1250
  • Leonardo Tonelli dominierte die Hellas Rally 2019.
    • mehrfacher italienischer Motorally- und Raid-TT-Meister
    • Dakar Finisher 2022 auf Husqvarna
  • Loïc Minaudier gewann 2021 in Griechenland.
    • 5 maliger Finischer der Rally Dakar mit Motorrad
  • Tobias Ebster dominierte 2023 die Dinaric Rally.
    • Zweimaliger DakarFinisher in der MalleMoto
    • Werksfahrer von Hero
  • Jacopo Cerutti brachte mit Aprilia ab 2025/26 stärkeres Werksengagement in die Serie.
    • unangefochtene Nummer 1 des italienischen Rally-Raid-Sports und Werkspilot für das Aprilia Tuareg Racing Team
    • 2024 Sieg des Africa Eco Race mit Aprillia Tuareg 660 auf Anhieb
    • 6 Dakar und dabei 3-mal unter Top 20
    • Schwerer Unfall auf der RO-Rally
  • Thomas Marini wurde 2026 zum wichtigsten Rivalen Ceruttis.
    • Teamkollege von Cerutti im Werksteam von Aprilia
    • Aktuell Führender nach Sieg auf der RO-Rally

Einordnung

Der Cup ist besonders interessant, weil er professionelle Werksteams und ambitionierte Privatfahrer zusammenbringt. Bei der Galicia Rally 2026 starteten 118 Motorräder, davon 40 Fahrer in der FIM-Europe-Wertung; bei
der Hellas Rally waren mehr als 150 Motorrad- und Quadfahrer dabei, davon 46 Cup-Teilnehmer.
Er ist damit keine reine Amateurserie, aber auch nicht so abgeschottet und teuer wie die Rally-Raid-Weltmeisterschaft. Fahrer können einzelne Veranstaltungen mit einer passenden FIM-Europe-Lizenz bestreiten, benötigen aber eine reguläre Fahrerlaubnis, ein technisch regelkonformes Motorrad und die vorgeschriebene Sicherheitsausrüstung.
Aus deutscher Sicht
war der stärkste Auftritt bei der RO Rally Jan Hendrik Erbach: Gesamtsechster und Zweiter der nationalen M2-Wertung. Claudius Flogaus wurde Gesamt-20., Tim Duerr Gesamt-45.

Published inAllgemein