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ZXMOTO nach dem ersten W2RC-Rennen

ZXMOTO hat bei der Rallye du Maroc 2026 gezeigt, dass sein neues Rallyeprojekt sportlich ernst genommen werden muss. Skyler Howes brachte die 450 Rally ins Ziel und fuhr zwischenzeitlich auf Platz fünf der RallyGP-Etappenwertung. Gleichzeitig offenbarten Kraftstoffprobleme, deutliche Zeitabstände und der gemeldete Ausfall von Tobias Ebster, wie viel Arbeit Richtung Dakar 2027 bleibt.

Die faire Bilanz nach dem W2RC-Debüt vom 28. September bis 3. Oktober lautet deshalb: ZXMOTO besitzt eine konkurrenzfähige Grundlage für die Entwicklung. Die Reife für eine dauerhaft erfolgreiche Dakar ist damit noch nicht belegt. Entscheidend ist, Klassenplätze, tatsächlichen Rückstand und den Ablauf der einzelnen Tage auseinanderzuhalten.

Skyler Howes beim Prolog: erste Standortbestimmung für die ZXMOTO 450 Rally im W2RC. Foto: RocketVisuals, veröffentlicht von ZXMOTO Tschechien.

Wie schnell war ZXMOTO wirklich?

Howes beendete die Rallye auf Rang neun in RallyGP, mit 2:05:34 Stunden Rückstand auf Edgar Canet. In der klassenübergreifenden Motorradwertung wurde er laut SPEEDWEEK und RallyTracks 22. Wer daraus einen neunten Gesamtrang aller Motorräder macht, zeichnet ein zu positives Bild.

Interessanter als diese einzelne Platzierung ist der Verlauf nach dem schwierigen Auftakt:

Skyler Howes: Etappenergebnisse in RallyGP
Abschnitt Klassenrang Rückstand auf den RallyGP-Etappensieger
Etappe 1 10 1:10:03 h
Etappe 2 5 10:34 min
Etappe 3 8 16:49 min
Etappe 4 8 12:16 min
Etappe 5 8 13:02 min

Quelle: veröffentlichte RallyGP-Ergebnistabellen von Honda HRC; Klassenwertung, nicht Gesamtwertung aller Motorräder.

Platz fünf auf der zweiten Etappe ist ein echtes positives Signal: Howes lag an diesem Tag unter anderem vor Adrien Van Beveren und Tosha Schareina. Die anschließenden achten Plätze belegen, dass die ZXMOTO weiter im Rennen blieb und verwertbare Vergleichsdaten lieferte. Allerdings lagen auch dann jeweils mehr als zehn Minuten zwischen Howes und dem Tagessieger. Für einen W2RC-Einstieg ist das respektabel; unmittelbare Siegfähigkeit lässt sich daraus nicht ableiten.

Der erste Rückschlag war ein Kraftstoffproblem

Die mehr als 70 Minuten Rückstand am ersten Tag dürfen nicht pauschal als Motorschaden verbucht werden. Der Bericht auf ZXMOTOs tschechischer Website gibt Howes’ Erklärung wieder: Er habe beim Tankstopp mehr als 20 Liter benötigt, aber nur 15 Liter erhalten. Rund zehn Kilometer vor dem Ziel der Wertungsprüfung ging ihm der Kraftstoff aus.

Tobias Ebster hielt an und gab seinem Teamkollegen Benzin. Beide erreichten demnach das Ende der Prüfung, mussten anschließend jedoch wegen Kraftstoffmangels zu einer Tankstelle geschleppt werden. Der Vorfall zeigt, wie wichtig die Abstimmung zwischen Bedarf, Betankung und Reserve ist. Welche Verantwortung Fahrer, Team oder Tankorganisation im Einzelnen trugen, ist damit nicht unabhängig geklärt. Ebenso wenig belegt der Bericht einen Defekt am Kraftstoffsystem.

Ebster: Tempo vorhanden, Abschlussmeldungen widersprüchlich

Auch der Österreicher zeigte sportliche Ansätze. Auf Etappe vier wurde er laut HRC-Ergebnistabelle Neunter in Rally2, 11:07 Minuten hinter dem Klassensieger. Dazu kommt seine Unterstützung für Howes am ersten Tag: Entwicklungsarbeit im Rennen bedeutet auch, als Team handlungsfähig zu bleiben.

Für den letzten Tag melden SPEEDWEEK und RallyTracks einen technischen Ausfall bei Kilometer 149. Dem widersprechen auf einer Mitteilung beruhende Berichte von Hespress und Canal212, nach denen beide ZXMOTO-Fahrer das Ziel erreicht hätten. Eine eindeutige technische Abschlussmeldung des Teams, die diesen Widerspruch auflöst und das betroffene Bauteil benennt, lag unserer Recherche nicht vor.

Deshalb lässt sich ein problemloser Zieleinlauf beider Motorräder nicht als gesichert darstellen. Umgekehrt wäre es voreilig, aus dem gemeldeten Zwischenfall eine bestimmte konstruktive Schwäche der gesamten Baureihe abzuleiten. Für die Zuverlässigkeitsbewertung bleibt Ebster der entscheidende offene Punkt.

Die ZXMOTO im Joyride-Biwak: Auch Versorgung, Wartung und Arbeitsabläufe gehören zur Dakar-Vorbereitung. Das Foto dokumentiert keinen konkreten Defekt. Foto: RocketVisuals, veröffentlicht von ZXMOTO Tschechien.

Ein Prototyp mit einem bewusst gewählten Entwicklungsauftrag

Das Projekt selbst hatte vor dem Start realistische Erwartungen formuliert. Im offiziellen W2RC-Interview beschrieb Teammanager Sergi Duran Sanchez die 450 Rally als Wettbewerbsprototyp in laufender Entwicklung. Howes und Ebster sollen unterschiedliche Rückmeldungen liefern und gemeinsam mit Joyride Race Service sowie den Ingenieuren Verbesserungen erarbeiten.

Die Fahrer bringen dafür Erfahrung mit: Howes gewann die Rallye du Maroc 2022 und stand bei der Dakar 2023 auf dem Podium. Ebster wurde 2025 Zweiter des Rally2-Weltcups. Die Auswahl zielt damit auf mehr als Aufmerksamkeit für eine neue Marke. Sie schafft konkrete Vergleichsmöglichkeiten zu etablierten Rallyemotorrädern.

Howes sprach laut ZXMOTOs Bericht zudem von einem noch vorhandenen Leistungsdefizit des Motors. Das relativiert die Aussage „schnell genug“: Genug Potenzial für ernsthafte Entwicklungsarbeit ist erkennbar. Für einen Angriff auf die Spitze fehlt bislang der entsprechende Nachweis.

Was bis zur Dakar nachgewiesen werden muss

Aus unserer Sicht ergeben sich aus Marokko drei Prioritäten:

  • Versorgung absichern: Kraftstoffbedarf und tatsächlich eingefüllte Mengen müssen unter Rennbedingungen zuverlässig zusammenpassen, einschließlich ausreichender Reserve.
  • Dauerhaltbarkeit bestätigen: Der gemeldete Zwischenfall bei Ebster muss technisch aufgeklärt werden. Anschließende Belastungstests müssen zeigen, ob die Ursache nachhaltig beseitigt wurde.
  • Tempo ohne neue Probleme erhöhen: Zusätzliche Leistung hilft nur, wenn Verbrauch, Wärmehaushalt und Haltbarkeit dabei beherrschbar bleiben.

Das sind redaktionell abgeleitete Entwicklungsziele, keine vom Team veröffentlichten Diagnosen oder bestätigten Umbaupläne. Ebenso erlaubt eine einzelne Rallye mit zwei Motorrädern noch keine belastbare statistische Aussage über die Ausfallwahrscheinlichkeit bei der Dakar.

Unser Urteil: ernstzunehmender Einstieg, Dakar-Reife noch offen

ZXMOTO verlässt Marokko mit etwas Wertvollem: Rennerfahrung, einem angekommenen RallyGP-Motorrad und einem Fahrerduo, das Schwächen konkret benennen kann. Das ist für den ersten W2RC-Auftritt ein brauchbarer Ausgangspunkt.

„Schnell genug“ trifft auf das erkennbare Entwicklungspotenzial zu. „Dakar-fertig“ wäre zum jetzigen Stand ein zu weit gehendes Urteil. Für eine Teilnahme, eine zuverlässige Zielankunft und einen Angriff auf Spitzenplätze gelten schließlich unterschiedliche Maßstäbe. Marokko hat den Einstieg bestätigt. Wie tragfähig das Gesamtpaket für die Dakar ist, müssen die nächsten Tests und Rennen zeigen.

Recherchestand: 5. Oktober 2026. Fakten, Fahrerangaben, widersprüchliche Medienberichte und redaktionelle Bewertung sind im Text entsprechend gekennzeichnet.

Quellen- und Bildnachweise

Published inAllgemein